ALARM

Die Zeit

zotig
droht mit dem Tod
zu Kälte
wird alle Wärme
die Zeit
peitscht geil
alle Genies
und alle Fälscher

Der alte Wolf sträubt sich versteckt
Mäuse nicht Hirsche
packt Glück in Portionen ab
Jahre leerer Nächte balanciert er

Sein Herz reibt sich an tragischer Erde
Jugend klopft an die Zeit
Sein Herz blutet
farblos
in die Schlaglöcher
der Stadt

Arme Lampe

ein grüner Metallschirm
trägt Spinnentuch
homespun
eine staubige Glühbirne
15 Watt
versucht einen Lichtkegel
am Boden
im Licht wirbelt Staub
Kakerlaken
nachtaktiv marodieren

Wer die Tage verliert

wer die Tage verliert
verliert sich im Enden

sie zerbrach innen
sie warf den Stein in sich
vor den knurrenden Wolf
wollte ihn nicht mehr tragen

entreiße das Leben der Zeit
greif zu wildes Mädchen

Alarm

Die Dinge im Innern
lauern uns auf
explodieren
wie Samen im Frühling
indes
keine Blumen
kein Baum

Es ist der Same des Hasses
bohnengeformt oder wie Nüsse
Häuser
tragen Flammen wie Hüte
Dächer
reiten auf Wellen
krumme Dornen
wachsen aus der verbrannten Erde
Der Mensch tötet so gern

Atmosphäre hat Blau

Partyblauer Strand
Samt aus Sommer
ein himmlischer Baldachin
kornblumenblau
Wasser und Dämmerung
fließen
im Blau
Er hat sie in den Sand gestoßen
erhitzt
rabiat
die Bluse aufgerissen
aquamarinblau
liegen die Schuhe verloren
seine Augen lustblau
tauchen
in  feuchte Veilchen
zur späten Stunde
blau

(Die Farbe Blau)

Kostbar in blau erblüht die Dose einst
milchweiches Mattglas
wohlgewölbt schmiegt sie sich
in meine Kinderhand
wiegt Wärme mondblau
Worte wundermild leuchten mir
Trost und blauverschlungen
stillen Tränen lang durchweinter Nacht
ich drücke meine Wange
in ihre Rundungen
lausche dem Duft
von kinderblauer Zartheit
vertreibt sie Kummergeruch
und ich verliere mich
in runder Herzensruhe
wunderblauer Stunden

Im Juni

Die Hitze fällt aus wolkenlos
in Luftpaketen oversized
knitterig grau
wie Eisenspäne rau
heißer
stechen Sonnen
zu
Wasserblasen platzen auf
Tiere Knochen schwitzen
dann vertrocknet auch der Schweiß
nackt
zerrieben treibt der Tag dahin

Das graue Haus

Ich hatte mich verfahren. Mit den Jahren schienen die Strassen verändert und die
Gebäude kleiner. Dann sah ich das Haus, dessen Klinker früher in einem
frischen Rot erstrahlten. Mein Vater hatte sie einmal im Jahr geputzt.
Die alte Türe hing zerschlagen in ihrer gebrochenen Fassung. Ihr blauer
Anstrich war verblasst.
Die Fenster waren zugewachsen. Rosen erblühten am falschen Ort.
An der Lampe hing ein Bienenschwarm und bewachte den Eingang. Der Honig
würde mir nicht schmecken.
Doch ich stieg aus und sah hinauf. Die Tauben der Bergleute zogen ihre Kreise.
Es waren nur wenige.Alte Männer standen da und lockten vergeblich. Die
Frauen riefen zum Essen. Sonst war nichts zu tun.

Ich fragte nach dem Weg zum Grab meiner Mutter.

Gebet Nr. 4 Al Maghrib

Jeden Abend der gleiche Ritus –

Dunkles Raunen von fern
ortlos richtungslos ohne klares Ziel
rollt es heran Männerstimmen
in wirrer Unordnung
strömen sie in Wellen schwellen
zu machtvoller Stimmenwand
mächtigem Schall
rufen sie preisen sie Allah
breiten seinen Namen
in Bändern in Schnörkeln
über den errötenden Abendhimmel
singt die Luft schwingt
klingt die Hügel hinab
ein Tuch aus Melodien
gebreitet weit über das Tal
uneins noch in ungeschliffenen Tönen
dennoch treffen sie sich gemeinsam
in Erhabenheit Musik atmet
die Stadt atmet Andacht
findet Gemeinschaft alle sind eins
in Frieden und in dem Wissen
Gott ist schön.

Schirns Eulenleuchten

Zwischen Korinthen das Blinken der Schiffe
Schwäneufer im Feenwald
Kerzen leuchten den Eulen heim
Eulenleuchten.

Ferne atonale Klänge Schönberg wacht
über
die schlafende Griechin am Traunsee
Gerstls Traum.
Magrittes Entscheidende Erinnerung sucht
im Tanz der Gigantischen Tage
Vergebung auf Sockeln von Ton.
Der Zorn der Götter entlädt sich     endlich
im „Gesang des Gewitters“ auf Wolkenballung
blond gefächerte Rosenpracht
Ergüsse
Worte Wasser prasseln schwemmen
Besucherströme aus der Schirn hinweg.

Schlafende Stadt

Ich bewege mich in
sahniger Luft das hitzegeplagte
Land unter den Lidern.

Auf uralten Boden
drängt der Himmel herab
hängt in Waben blau um blau
Licht schäumt wie Scherben sie
brennen über der Stadt im Hitzeschlummer
Sonne häuft ihre glastige Last
Häckselduft die Luft ist sattgesogen
und Stille leckt mit goldener Zunge
sie schmilzt zuckrig süß wie
Karamell auf sonndurchglühtem Lehm
Häuser gedeckt in dörflich
gebackenem Safrangelb
Kühle rettet sich sie
wühlt sich in erdige Winkel
aus dunkel klumpigem Ton
Kuppeldächer stehen brüsteschwer und
Sonnenatem folgt feurert voll Lust
unter wohligen Schauern.

Alles möchte ich berühren
spüre mit vorsichtigen Fingern
im weichen Lehmgeschling
die Strohstängel süß gedörrte Blüten
streiche über die handgeformten
Linien über Mauern
errichtet seit ewig in Menschenmaß.

schlaftrunken

was ich schreibe und so treibe
ist mir sowas von egal
wie ich lebe, ob ich strebe
für mich nicht immer optimal.

ob der grund die krankheit ist
sei nicht zu sagen, so ein mist
auch die familie kann nichts tun
ich bleib in meinem bett: zu ruhn,

zu träumen von den alten zeiten
als wir von altem uns befreiten
ich spielte damals blinde kuh
der hannes wader sang dazu.

der luther kann mir wenig helfen
in diesem jahr des jubilierens
vereist sich fort die zeit des frierens
ich flieg jetzt zu den islandelfen!

die elfen, sagt man, könntens schaffen
mich aus dem dornenschlaf zu wecken
mit röschen würden sie mich neckenl
ich still für mich mal wieder paffen.

doch in mir ruft es: island? kalt!
erkältung überfiel mich sicher bald
und ruft sehr laut aus mir heraus:
zu arm für island – kirchenmaus.

 

WINX in Frankfurt

Welch Rätsel schwarz Versal rings auf Gerüsten
sticht Kränemaß im rechten Winkel
Baukastenschema Hexerei für neue Räume
Kranführertreppe führt ins Blaue.

Fließgefunkel wiegen Bootshausschirmchen
die Primusline Johann Wolfgang Touristenführung
eisern der Steg hält was versprochen
seit 1869 die Ufer zwischen Süd und City
ich wandre zwischen Liebesschlössern
Beton gebrochen
leichten Fußes über den Main.