Ich stehe

Ich stehe und warte.
Gelehnt an das Licht
an die frühen Sonnenstrahlen
spüre ich die Zeiten des Jahres.

Mit Blicken folge ich dem Lauf
der Straße den Büschen Bäumen
ich fühle das zart wachsende Grün
lausche den Blüten ihrem
raschelnden Knospengeflüster
an knotigen Ästen ihrem
flüchtigen Seidenweiß. Die Zweige
greifen weit hinein in wärmere Zeit
in langen Linien spielen die
strammen Schatten.

Ich spüre die Zeiten des Jahres
den Sommer kann ich schon auf der Zunge
schmecken ich betrachte die Wolken
als flatternde Baumwollrüschen düsen sie
durchs orange Blau des Himmels
hoch über arglosen Flugzeugen
und zunehmendes Licht eröffnet mir
teure Freudenräume baldiger Sonnentage.

Mäuschen unter Sträuchern dem Heine Katz und Maus

leise zieht durch mein Gemüt
tigert farben Katze
Rose wie sie sich umblüht
Ringelschwanz. Geklatsche

warn’s die Mäuse deckungsnah
Federkernrabatte
üben drin Jerusalem
Katze auf der Matte

Leis sprüht noch im Hebstgemüt
Glockenblüm entkleiden
Stachelstiel zuletzt ermüd‘
Totes unbescheiden bzw. leiden

wie sie sich so unverblümt
Schnurrerin die Leich‘ nahm
gibt. sieht mein Vogel springt gemüt_
Licher und so heiter

Kisses of Life

Wollhausschiffe an Felsenriffe
Hühner bunt in Gelegen sitzen
Viola satt den Rand beglücken
den Atem der Götter im Nacken spüren
wieder und immer wieder
life is shadow
blue kisses in your eyes.

 

H. Heine 1831 bis 2017

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute
Klinge kleines Frühlingslied
Kling hinaus ins Weite

Kling hinaus bis an das Haus
wo die Blumen sprießen
wenn du eine Rose schaust
sag ich lass sie grüßen

daselbst

Leise Rose Honigblut
reist. wie Liebe Freude
Mitte Punkt der ihrer Glut
Feuerfluss und Säule

immer unterwegs im Haus
Münder ihrer Masken
wehn von Lippen Übertau
Hautglanz alabastern

Jüngling und Gevatterin
alles Loreleien
liebliches Geläute schwing
jung und Fräulichkeiten
Red‘ und Seligkeiten

Kling hinaus bis an das Haus
wirst mir Blumen gießen
wenn der Wind dir Röschen. Braut
liegst mir dann zu büßen
andersrum zu Füßen
frühlingsweis Genüssen

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute
Klinge kleines Frühlingslied
Kling hinaus ins Weite

Kling hinaus bis an das Haus
wo die Blumen sprießen
wenn du eine Rose schaust
sag ich lass sie grüßen

mit dem Flusse Fließen

Nenne mir Liebe

Brücke Eiserner Steg heiter gestreckt
über den Fluss Ornamente aus
Metall Scherenschnitt leichthin
vor den Himmel gestellt. Lächeln
unter Fotoblitzen Liebe geflüstert
in gleichen Atem hier probieren
Paare die Liebe an.

Im Limonenlicht der Laternen
traubenschwer Eisenherzen Schlösser
in metallenen Farben hängen
am Geländer wie Leiber teilen
den Tag und die Dunkelheit
entschlossen gegen Vergänglichkeit.

Die Pfeiler starren und blinken
die Schlösser aus aller Herzen Welt
geheftet zu endlosen Kränzen
schüchtern gespiegelt im Wasser
schaukeln sie geduldig der Zeit
entgegen.

Nenne mir Liebe

indien im ostend

unser tisch war besetzt. schon vor wochen
hatte claudia angerufen. zur sicherheit, sagte
sie. unser inder sei neuerdings immer voll.
immer voll? erwiderte ich. sie kicherte.

ein kellner kam zur türe. alles besetzt.von
den bankern. vielleicht in zwei wochen.mit
dem rollstuhl werde es schwierig.er sprach
akzentfrei. „und die wirtin?“ sie mit ihren
gesten ohne ein wort deutsch verstanden sie.

ist sie in der küche? der kellner wusste von
nichts. wir haben sie nicht mehr gesehen. die
ezb zahlt keine zinsen, aber macht sich breit.
wir suchen die wirtin und indien in ostend.

Bockenheimer Ldstr. 2

In der Höhe
drängt der Wind
unter die Strähnen
der blendenden Sonne
er geleitet Vögel zum Tanz
Eleganz an Spiegeln
Schattenstriche malen
Op-Art Bilder
auf schillerndes Glas
der Turm schwingt
schön gestaltig im Wind
laut wie Opernchöre

Gasthof zum Strauß

Auf altmodischem Bild mächtig
geballte Federn ein Vogel Strauß in der
Savanne geritzt in rote Mauer
einer Bank am Kornmarkt Ffm

steht dort seit vierhundert und
vierzig weit entfernten Jahren. Ich
sehe ihn im Geiste vor mir auf
Schuppenbeinen grau in grau

wuchtet er quetscht er zwischen
Wänden ausgestellt zum Zweck der
Show und des Profits. Wankt er
mäandert Federboa krümmt den

Hüftschwung schmal um Kurven
löffelt tristes Leben Kopf hoch
im Mond über manch frecher Nase
emporgereckt voll Neugier. Da

setzt es sicher Wadentritte hackt
auf Köpfe. Die Straußenaugen schatten
vorgewölbt und Wimpern flehen
Sehnsucht nach Barbariens

tunesischen Gestaden die Zunge
lappt und plappert afrikanisch
und schaurig tönt des Nachts sein
Weinen bis zu spätem Tod.

In der Klappergass

Der Wirt lag still auf einer Couch in der Wohnung über seiner Kneipe. Ein
Nickerchen vor Feierabend. Alte Gewohnheit. Der Laden lief gelegentlich ohne
ihn, dachte er, lächelte und schlief ein.

Gisi kam herauf, ihn zu wecken. Sie sah seinen Kalender, der auf dem Boden
lag. Kalkweiß das Gesicht, keine Atmung. „Einen Arzt! Bitte!“ „Gespürt hat er nichts mehr“, sagte der Arzt. Er schrieb: Herzversagen.

Sie versuchte, nicht zu weinen. Und dachte an die Gäste. Das Begräbnis an
einem kalten Wintertag, frühmorgens. Alle waren sie da. Auch seine geliebten
Eintrachtfans. „Lebbe geht weider!“(Stepanovic). Klappergass…

Fransen

Diese Straße ist die Beste
dieses Haus ist mir am nächsten
hier bin ich im Vorteil
alle grüßen
hier gibt es nur
meine eigenen
Fallen

Ich wohne hier in Freiheit
ich komme und gehe
lebenslang
60313 ist
meine Postleitzahl
ich beschwere mich nicht

Grün gibt mir
sicheres Geleit
meine Durchgangsstraße
ist keine Sackgasse
Nachbarn kommen und gehen
mal mit halben mal mit
ganzem Herzen