Das dachte ich

dein Gesicht das brauch ich nicht
das brauch ich nicht
das dachte ich

die Züge nicht verplant
die Augen kastanienfeucht
ungetrübt vom Alltag
dein schönes Haar jugendlich
gekämmt und Glieder
die sich der Norm
entgegenstrecken

dein flüchtiger Mund gewöhnlich
gewöhnlich gewöhnlich
das sag ich mir

dein Gesicht das brauch ich nicht
das brauch ich nicht
das dachte ich

Mein Flieder

Mein Fliederbaum blüht ins Blaue hinein
denkt meine Gedanken nicht zu ende
in dichtem Geäst breit gefächert fliedert
flüstert tropft er Bienen Honig ins Fell
rüttelt einen Battlerap
das Kreuz zwischen Marx und Söder
strebt lila himmelwärts
Charmeur mit Hörnern.

Zu viel Stadt in der Stadt

zu viel Stadt in der Stadt

auch zu viel Maus in der Falle

und Hunger inmitten vom Speck

zu viel Tier in den Menschen

und überall ist Hadamar und auch ein Blumenmeer

wo ist die Elfe im Kuß

und wo das Ende der Einsamkeit

zu wenig Lyrik ist im Gedicht

zu wenig Liebe in der Liebe ist

doch irgendwo ist Panama und alles Sonnenschein

Niger

die hütte einsam an den abend
geschoben keines menschen
laut tagaus tagein nur
schabt der wind
knirscht harter sand

ockerfarben mauern hand
geformt aus lehm die
eisentür in
ausgewaschnem rot kraftlos
hängt sie gebrochne flügel
schlagen gehorchen
willenlos dem takt des windes

im dunkel hinter mauern
gestalten eingepfercht
kauern sie am boden
siecht hoffnung auf die weiterreise
in neues leben und
immer zehrt in ihnen angst

und niemand tritt heraus
bewegt sich fort im faden
staubgeruch und sinnlos ohne aussicht
wie abfall reste
sie schimmeln
in boden unterm sand

Swingt der Ling

bin selbst
ein Schmetterling
bin wandelbares
Kleid mit Rock
und Rüsch‘ dem
Schwalbenschwanz

Gelüfte

flattert mich mein Mensch
wie dich.
die Blüte duft‘!

selbst mir. bin Falter
Mantelschlag
der sich im Flug ergibt
zufrieden Taumel
blühte. swing weiter
den ling
mit Rhythmen.
trübte
mein Hut

ein pfand

die dunkle felsenhöhle des heiligen war voll mit
unbenutzten dingen. er war nackt und blieb allein.
doch an einem tag im jahr segnete er die pilger.
sie gaben ihm ihre geschenke.

er legte sie sorgsam zu den anderen, nachdem er
sie in das heilige buch eingetragen hatte. danach
vergaß er sie für die ewigkeit. denn er war weise,
dass er so durch sein irdisches leben ging.

um nicht das falsche zu tragen, falls er gerufen würde.
das buch aber war das pfand, das seiner nachwelt
erhalten blieb.

Abendgrau

Abendgrau und festgezimmert
über schalen Schoppen hocken sie
sie hocken am Rand des Tages aus-
sortiert aus dem Geschehen das
Nützlichkeitsdatum überschritten – längst.

Alte Männer aus Warten zusammen-
gesetzt im Leben vegetieren sie
ihre Vergangenheit eingenistet in
trübe Winteraugen sie atmen hungrig
und dumm aus breiten Hälsen
und ducken sich in dickfleischige Joppen.
Die rot gelappten Gesichter Schlacht-
felder ungelebter Abenteuer. Ihnen
trödelt die Zeit rückwärts in nichts
geht sie mehr an.

Ausgefranste Stumpen stecken in
feisten Lippen  gezerrt in obszönes
Grinsen die dick geschwemmten
Hände rudern als hätten sie noch
Leben und gelb gerauchte  Finger
formen anstößige Gesten aus ver-
gangenen Gelüsten Triebe immer
gegenwärtig trügerisches Spiel der
Erinnerung hocken sie sie hocken am
Rand des Tages und haben vergessen
wann der Abend kommt.

The Hottest Club in the City

Der philosophische vogel plustert sich auf einer stange
und denkt
das publikum twittert herum
du queres eulenauge arrogantes verschläfst das licht
schande schande
lästern die nachteulen weißpudrig heiser am nachmittag
spät
tagesbewimpert eulenaugen nutzen blendschutz der lider
gegen schimpflichen kitsch
gelehrte der nacht blicken durch
gleiten unhörbar von der stange und schämen sich nicht
im hottest club in the city

Das Glimmen der Dächer am Morgen

Das Glimmen der Dächer am Morgen
Die rauschenden Sterne
Entfernt
Komm fühl
Die weißen Blüten an schwarzen Ästen
Welch Vergehen
Knospen an Kastanienbäumen
Magnoliensterne Duft in Auen
Ein Bild braucht ein Bild
unergründliche Zartheit der Frauen

mein Steinpilz ist rot fliegenpilzrot

mein Steinpilz ist rot fliegenpilzrot
mein Erinnerungsosten ist nebelfrei
und der Westen ist geviertelt
nach Jahreszeit und Laufbahn

dieses Viertel ist nicht mein Viertel
aber mein Essen kann jeder essen

meine Lieblingsgans im Windschatten
der Kraniche lächelt
über die übertriebene Eleganz
ihrer Formation und es sind die Tupfer
über ihr die gegenüber dem Westen
im Pflaumenkuchenosten
wölckchenhaft golden hängen

ein Versprechen
für später immer später
es ist klar, es geht hinab
der Herbst ist aus dem Sommer gefallen