Die Kunst Giraffen zu jagen

Rosa Rosenfeuer noch mehr Himbeergelatine
auf tüllig Blau pastell klare Schaufensterscheiben
Kalligraphien hellgrau die Streifen
auf Leinwand Nord-West
schwarze Feldberg-Matten.

1 2 3   Schneeschaum Brüche pflügen Fliegermalerei
6 und 7   von West nach Osten Wolken-Wüstenei
9 bis 10   der Wind im Laube will still steh‘n
Augen- fliegen zur Giraffen-Abendschau.

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Gudrun Selten

Ein Dreiakter

Requisiten:
Drei Dunkelheitsmesser
Ein Triangel Trio
Dreizacke
Dreiräder
Ein Dreimaster
Ein Dreisatz

Akt I
Eins zwei drei
Tequila Salz Zitrone
Es ist Mai in Triest
Die Lüfte glühen
Ein Triangel Trio klimpert leise
in der südlichen Nacht

Akt  II
Die Eins
versucht sich am Dreisatz
Die Zwei
kuscheln im Gebüsch
Der Drei
fehlt Einklang

Akt  III
Ein Dreimaster liegt majestätisch im Hafen
Dreier sind sehr begehrt
Die Dunkelheitsmesser schneiden das grüne Licht
für das zwielichtige Gezücht
Die Maste schultern ihre Dreizacke
Schielen nach den Dreirädern am Pier
und machen sich davon


Roswitha Aulbach

Die Kunst Giraffen zu jagen

Rosa Rosenfeuer noch mehr Himbeergelatine
auf tüllig Blau pastell klare Schaufensterscheiben
Kalligraphien hellgrau die Streifen auf Leinwand
Nord-Westen vor Feldbergs Burgenschatten.

1 2 3  Schneeschaum Brüche pflügen Fliegermalerei

6 und 7  von West nach Osten Wolken-Wüstenei

9 bis 10  der Wind im Laube bleibt still steh’n

Augen – fliegen zur Giraffen – Himmel – Abendschau.

flüchtig kammerspiel

schattenlager
schönheit changiert und
wechselspiel herbstfärbe_
schleppen aufenthalt
und zu besuch dem garten_
stuhl ein gitter

sonn gezählt vergänglich
wolken. mal luftig rausch
gehoben. dann lachen
schönheit nur gewächse
im wellenfeld spuk.spiel

kähne an land gezogen
geschattenschleppe wildes wald
dunkel. erinnern
Schönheit nur scheu
verhangen. verscheucht sich
kalt

Tonlos wohnen dort die Worte

Die Vögel haben
ihr Lied verloren
sehr leise ist mein Wald
Augen lauschen hinein
die Luft ist lau und
das Erdreich atmet ritterlich
ich suche seine Hände
sein Stern schreibt
Gedichte auf die Blätter
Würmer sind geflohen
in den Tannennadelflor
 
da stolpere ich
und falle
die Lyrik ruht im Unterholz
tonlos wohnen dort die Worte

Wortspinne

Herbstlich im Kastanienregen
Wörter Tausende Taumeltanz von Silbersilben
am Stil
Signale Gnade für Gefühle
Maremmano-Hunde im Engadin blond
die Schafe wiegen

Am Anfang war das Wort
Wohl und Wehe
Wölfe zu Lämmern
dazwischen Fäden aus Silikon
spinnen freundlich matt Altweibersommer

Hilfe II ( für John Ashbery )

Der Pannenhelfer war so alt wie er und so schnell wie er als Hippie, bevor
der Ostwind ihn zu Boden drückte. Aus freien Stücken sagte sie später.
Hin und wieder gingen sie zur örtlichen Betäubung,
mit den dicken Dichtmachern zwischen den Zähnen.

An den kommenden Balladen können alle
Bewohner dieser Gesellschaft mitwirken. Wunsch mit Wurzel im Herzen.
Ach so, Scharfschützen nicht vergessen! Ihre Kinder verdienen
sich etwas dazu.
Ein schneller Abgang für die kleinen Sünden.
Lass mich mit dieser Einladung zu Nebel-Denken Halluzinationen nicht allein, bitte.
Die talentierten Bewohner werden in den Vormittagsstunden mit solchen Bitten verfolgt, manche noch eine Tasse heißen Tees balancierend.

Es war nur die Zündkerze. Nichts lief rund, und „unter dem Filzkissen“
im Fond „surrte etwas Unhöfliches“.
Es passierte auf dem Weg zur Maklerin. Nein nicht die, die du kennst.
Eine andere, eine mit einer zerkauten Hand. Ihr Hund hatte ihre Hand als
Spielzeug missbraucht.

Sie verkauft alles was sie mit ihr anfassen kann. Jeder vernunftspekulierende Mensch hilft ihr dabei oder gibt ihr Hoffnung auf Hilfe.
„Das Saxophon heult, das Martiniglas ist leer.“

Hilfe! Hilfe! hallt es wiederholt den Highway hinauf und hinunter.
Alles in Allem, wenn ich genau hinhöre, stuft sich da jemand auf wachsames Auge Schrägstrich Betriebsleiterin herunter, wiederum aus freien Stücken.

Bruder Ich und Schwester Du schleichen durch teure feuchte Zimmer.
(Wäre 
es von Vorteil, zwischen, sagen wir, 11 und 13 Uhr nur leicht bekleidet zu sein?)

Nach diesen vielen Unannehmlichkeiten per Anhalter ins Hotel Lautréamont,
gegen den Widerstand der Fernwärmebefürworter, gegen die Knebelparagraphen im Kettenvertrag.
Nicht sorgfältig genug studiert.
Aber eins ist jetzt raus: die Verlustanzeigen werden kaum bearbeitet,
die langen gar nicht.
Wir müssen stark sein, es allen sagen, und
bitte, zieh jetzt deine Beschwerde zurück, Margarete.

ALARM

Die Zeit

zotig
droht mit dem Tod
zu Kälte
wird alle Wärme
die Zeit
peitscht geil
alle Genies
und alle Fälscher

Der alte Wolf sträubt sich versteckt
Mäuse nicht Hirsche
packt Glück in Portionen ab
Jahre leerer Nächte balanciert er

Sein Herz reibt sich an tragischer Erde
Jugend klopft an die Zeit
Sein Herz blutet
farblos
in die Schlaglöcher
der Stadt

Arme Lampe

ein grüner Metallschirm
trägt Spinnentuch
homespun
eine staubige Glühbirne
15 Watt
versucht einen Lichtkegel
am Boden
im Licht wirbelt Staub
Kakerlaken
nachtaktiv marodieren

Wer die Tage verliert

wer die Tage verliert
verliert sich im Enden

sie zerbrach innen
sie warf den Stein in sich
vor den knurrenden Wolf
wollte ihn nicht mehr tragen

entreiße das Leben der Zeit
greif zu wildes Mädchen

Alarm

Die Dinge im Innern
lauern uns auf
explodieren
wie Samen im Frühling
indes
keine Blumen
kein Baum

Es ist der Same des Hasses
bohnengeformt oder wie Nüsse
Häuser
tragen Flammen wie Hüte
Dächer
reiten auf Wellen
krumme Dornen
wachsen aus der verbrannten Erde
Der Mensch tötet so gern

Atmosphäre hat Blau

Partyblauer Strand
Samt aus Sommer
ein himmlischer Baldachin
kornblumenblau
Wasser und Dämmerung
fließen
im Blau
Er hat sie in den Sand gestoßen
erhitzt
rabiat
die Bluse aufgerissen
aquamarinblau
liegen die Schuhe verloren
seine Augen lustblau
tauchen
in  feuchte Veilchen
zur späten Stunde
blau

(Die Farbe Blau)

Kostbar in blau erblüht die Dose einst
milchweiches Mattglas
wohlgewölbt schmiegt sie sich
in meine Kinderhand
wiegt Wärme mondblau
Worte wundermild leuchten mir
Trost und blauverschlungen
stillen Tränen lang durchweinter Nacht
ich drücke meine Wange
in ihre Rundungen
lausche dem Duft
von kinderblauer Zartheit
vertreibt sie Kummergeruch
und ich verliere mich
in runder Herzensruhe
wunderblauer Stunden

Im Juni

Die Hitze fällt aus wolkenlos
in Luftpaketen oversized
knitterig grau
wie Eisenspäne rau
heißer
stechen Sonnen
zu
Wasserblasen platzen auf
Tiere Knochen schwitzen
dann vertrocknet auch der Schweiß
nackt
zerrieben treibt der Tag dahin