Frau T.

E. Nolde, Frau T
E
. Nolde, Frau T.

Gerhard Schrick

Mit den Augen

Auf der Lauer beide. Wann wird sie springen?
Die Katze im Auge starrt dich an, Maus.
Mit dem zweiten wird sie dich bezwingen.
Der Maler erwartet verdienten Applaus.

Sein Bild schafft die Distanz fürs Weitergehen.
Unerwartet das Harte mit dem weichem Strich.
Das Männliche im Weibe bliebe ungesehen.
So mancher Besucher wird nachdenklich:

Verlebtes Leben? Vorspiegelt sich ihm.
Die Schminke zerlaufen, die Augen umflort.
Ein Bärtchen, verwischt, wirkt eher sublim.

In Wirklichkeit war das Mädchen weit fort.
Der Maler kaute in Ruhe den  Priem
und sprang, die Südsee im Geiste, von Bord.

 

Susanne Thauer

Ohne Titel

Aus geheimen Wäldern
durch die Lüfte der Wildnis
zu Weg mit den Vögeln der
Nacht Krähenschreie und
Eulengeflatter Blume des
Purpurmohns Dunkelfrau. Und
unter dir singen die Schatten.

Halbkind Engel und Kokotte in
eins; Augen dunkel gewoben
offen wie hundstrüb schillern dort
List und Gefahr. Glockenmund
halb gerutscht rotmundzerwischt
Lippen aus samtschwarzen Wörtern
die Wangen rosige Gärten im
flackernden Schein des Feuers.

Lauschende lebst eine andere
Welt atmest gelehnt aus der Zeit.
Um den Hals gereiht die Kette
rubinrote Beeren Natter in heiß-
rotem Zorn, Zornige, und über dem
Haupt dein Lockengewitter pechschwarz
aus Geschichten von Stürmen und Sternen.

 

Ralf-Rainer Rygulla

Frau T

„Ich bin ein beschriebenes Blatt
auf dem ist noch viel Platz
für deine Memos, Schwüre
und Versicherung an Eides statt.“
*
„Wenn du mir das Wasser reichst
kommst du auf meiner Liste
wenn sonntags mal die Sonne scheint
steigen wir in die Kiste.“

 

Gudrun Selten

Ehrfurchtsmanko

Schwarzer bleib-inder-ferne Blick,
doch Rotglut in den Lippen, dazu
schwarzer krauser Lockenkopfschopf

Dauertrauermauer
etwas schief
subversiv

So attraktiv
So auffallend markant
So extravagant

Schneewittchens
Schwarz-weiß-rot
bringt einen Tod
mit blutenden Bisswunden
von Vampiren am Hals

Nolde wollte