November I mean

Wenn der Regen tanzt die Blätter
lauben Elstern Bäume ab und die
Leichenbetter schaufeln Löcher
für die nassen Totenaugen.
Müdigkeit malt Seelen
in die graue Tünche rein.

Wenn die Röcke länger werden
stolpern Tauben
suchen Retter in den Strassen
und die Gänse werden fetter.

Smarte Wetter sammeln Sonnenreste,
Gelbes Rotes
Marathon der letzten Rosen
Rosen Rosen Rosen

Grass schreibt S.405
von siebenbeinigen Hunden
Simic von sechsbeinernen S.70
ein Grad der Optimierung

die Zwischen_
Zeit erlebe ich. mir geht’s mal gut
mal schlecht. der
auf beiden Beinen wechselweise
wechselweis  
Vorlieben füttern

sind immer
schluss und bündig
in Reih und Glied abzuzählen !
da stimmt was nicht

im Gleichschritt
dem Wetter zu reden
und denken
Leine los mit  dem Gerücht
ich schreibe siebenarmig
unter einem Leuchter
Licht

G. Grass sämtliche Gedichte
Stille von kurzer Dauer

Ch. Simic Ein Buch von Göttern
Jahrmarkt

24.9.2019
534.
Die Wirklichkeit ist aller kunstvollen Spielerei überlegen. Meldung von heute.
Im indischen Rajasthan hat eine Frau Zwillinge geboren Einen Jungen ein Mädchen
Die Ärzte trauten ihren Augen nicht, das Mädchen hat 4 Beine und 3 Hände.                   Warum schreibe ich das gerade heute.

Eine verlorene Sache

Erde wird begraben und
mein Haus kracht in den Fugen,
es ist voller Ende.
Ich bin die flüchtigen Vögel
und die Wälder in den Wüsten.
Staub tanzt
auf meinem Kopf,
Feuer wütet hinter meiner Stirn,
Erde wird begraben …

Wenn die großen Regen fallen

Wenn die großen Regen fallen
die Häuser in Sümpfen
unter Dächern schweben beben
zähle ich Bein und Sein zusammen
werde auf Ariadnes Panther
über Inferno
über das Grollen tosender Ozeane fliegen

versuche die Winde die Gletscher
die Wüsteneien der Menschen
mein Los zu zähmen
den Geist aus der Flasche
durch Verzicht zu betören
auf ein menschlich gemäßigt Maß zu zwingen.

 

Trostblau

Blau legt sich die
Erinnerung in meine Handvoll
Glas. Ein blaues Kästchen.

Glasfluss. Wie ein Geheimnis.
Immer weiter zieht.
Am Grunde blitzende
Lichttupfen. nehmen
die Kälte von den Augen.

Weich und geschmeidig
schmiegen sich die Finger
wärmen kleine Hände. Ich
berge meinen Kopf
hinter der blauen Haut.

Von weitem spüre ich den
Duft verwehter Stimmen.
Wächst Sonnentag um mich
schmeckt wie aus Licht.

Streut Blau Vergessen
in den Schlaf der
Schlafenden.

Ich finde neue Namen
für alles in mond-
blauem Schwingen.

Es gibt keinen Grund

Es gibt keinen Grund
in meinen Gedichten
zu erzählen von..

schläfrig die Depression
Insel auf dem Parkett
gemusterter Bettvorleger
Insel auf dem Parkett
eine Patchworkgegend
Melancholie

und morgen wieder
wieder ein Grund
nicht aufzugeben das Flickwerk
zu Muster
dem Flickwerk erzählen

Das Maß der Pappeln

In Netzen gefangenes Flügelschlagen
Jahrzehnte eingegraben die
Tränen in deinen Augen
Zorn zwischen Kaiserbüsten Kopfsteinpflaster
und Pompeji.

Zwischen Kieferstämmen grau gewelltes
Erkennen
Vergangenes benannt verbrannt
auf Inseln zahnerhaltenes gebräuntes Lachen
Stimmen
endlich Regen in alt erneuerten Gassen.
Alles hängt mit allem zusammen
das Schloss der Main
in Sandstein getränkt die
Schönheit im Blick
das Maß der Pappeln
unwirkliche erinnerte Wiederkehr.

Rotes Land

Blutig rot spreizen die Berge ihre
strotzenden Schenkel in steile
Lüfte  das gerissene Fleisch
jäh nach oben gestülpt

unendlich die Bögen in der Höhe
Mulden wie Hüte auf
das Land in Wellen und rund die
massigen Steine gehen am Berg

Wolken aufgequollne Fische
bauchoben schwimmen sie weiter
in endlosen Zügen ziehen stetig
der Ewigkeit entlang

in die Tiefe geduckt verborgen
in unsere Unterwasserwelt
schreiten wir auf dem Boden des
Meeres ahnungslos um aufrechte

Haltung bemüht auf die
Hüte die Haube gesetzt
die Kleider strudeln im
Meerwasserwind umflattern sie

uns in Steinfarbenrot die
Stimmen Metall ein  matter Klang
in der Strömung und in den Armen wir
wiegen die frisch geschlachteten Lämmer

nachtgedicht

anlässlich Arne Rautenbergs
„du denkst“

du hättest auch mal was zu sagen
dich an ungesagtes zu wagen
so richtig auf die pauke hauen
den leisetretern den tag versauen.
doch du bist alleine
das ist das gemeine.

so bleibt das zu sagende ungesagt
nur weil niemand etwas wagt.
du hoffst nunmehr, dass alle wissen:
man hätte es längst schon sagen müssen!

die erde wird sich, hoffe ich, weiter drehen.
doch was wird am ende mit uns geschehen?
wie steht es mit unserem menschenschlag?
morgen ist schließlich auch noch ein tag…