Emily Dickinson, „Hope“ is the thing with feathers

“Hope” is the thing with feathers –
That perches in the soul –
And sings the tune without the words –
And never stops – at all –

And sweetest – in the Gale – is heard –
And sore must be the storm –
That could abash the little Bird
That kept so many warm –

I’ve heard it in the chillest land –
And on the strangest Sea –
Yet – never – in Extremity,
It asked a crumb – of me.

ECHOS

William Carlos Williams 1883 – 1963

This Is Just to Say   (1934)

I have eaten
the plums
that were in
the icebox

and which
you were probably
saving
for breakfast

Forgive me
they were delicious
so sweet
and so cold

+

Übersetzung
Hans Magnus Enzensberger

Nur damit du Bescheid weißt

Ich habe die Pflaumen
gegessen
die im Eisschrank
waren

du wolltest
sie sicher
fürs Frühstück
aufheben

Verzeih mir
sie waren herrlich
so süß
und so kalt

+

Durs Grünbein
aus ‚Grauzone morgens’, 1988

Verdorbene Fische

„Erschrick nicht, wenn du die Krusten
Brots, die Kartoffelschalen weg
wirfst, am Boden der Futtertonne

liegt wohl ein Halbdutzend verdorbener
Fische (Makrelen) mit steif
aufgerichteten Schwänzen und starren

Augenringen, die Bäuche geschlitzt, nein
erschrick nicht, es ist ein
so sinnloser Anblick, verzeih…“

Kenneth Koch
1
I chopped down the house that you had been saving to live in next summer.
I am sorry, but it was morning, and I had nothing to do
and its wooden beams were so inviting.

2
We laughed at the hollyhocks together
and then I sprayed them with lye.
Forgive me. I simply do not know what I am doing.

+

Charles Simic
aus: Grübelei im Rinnstein – Ausgewählte Gedichte
übersetzt von Rainer G. Schmidt

Löffel

Ein alter Löffel
Abgekaut,
Saubergeleckt,

Zurückpoliert
Auf seinen böse funkelnden
Glanz,

Der dich jetzt
Vom Tisch her beäugt,
Bereit, das heutige Datum

Und deinen Namen
In die nackte Wand
Zu kratzen.

+

Übersetzung
Heinrich Detering

Ich wollte nur sagen

Ich habe
die Pflaumen
im Eisschrank
gegessen

die du sicher
aufheben
wolltest
fürs Frühstück

Vergib mir
sie waren köstlich
so süß
und so kalt

aus: Wein der Liebe

„Von deinen Locken bin ich gefesselt.
Du bist eine Zypresse vom Garten der Vorzüglichkeit,
eine Blume aus dem Blumenbeet der Schönheit,……
deine Koketterie und deine juwelengefüllten Lippen
haben dazu geführt, dass ich dich verehre……………“

aus:
Wein der Liebe: Mystische Gedichte von Imam Sayyid Ruhullah Chomeini
Übersetzung von Ghulam Ridaa A’wani und Muhammad Legenhausen-von
höchster geistlicher Stelle autorisiert – wird von der iranischen Botschaft, Berlin, verteilt.

zum Thema Flucht

auf der Suche nach Möglichkeiten, über Flucht zu schreiben

Nelly Sachs, Chor der Geretteten

Wir Geretteten,
Aus deren hohlem Gebein der Tod schon seine Flöten schnitt,
An deren Sehnen der Tod schon seinen Bogen strich –
Unsere Leiber klagen noch nach
Mit ihrer verstümmelten Musik.
Wir Geretteten,
Immer noch hängen die Schlingen für unsere Hälse gedreht
Vor uns in der blauen Luft –
Immer noch füllen sich die Stundenuhren mit unserem tropfenden Blut.
Wir Geretteten,
Immer noch essen an uns die Würmer der Angst.
Unser Gestirn ist vergraben im Staub.
Wir Geretteten
Bitten euch:
Zeigt uns langsam eure Sonne.
Führt uns von Stern zu Stern im Schritt.
Laßt uns das Leben leise wieder lernen.
Es könnte sonst eines Vogels Lied,
Das Füllen des Eimers am Brunnen
Unseren schlecht versiegelten Schmerz aufbrechen lassen
Und uns wegschäumen –
Wir bitten euch:
Zeigt uns noch nicht einen beißenden Hund –
Es könnte sein, es könnte sein
Daß wir zu Staub zerfallen –
Vor euren Augen zerfallen in Staub.
Was hält denn unsere Webe zusammen?
Wir odemlos gewordene,
Deren Seele zu Ihm floh aus der Mitternacht
Lange bevor man unseren Leib rettete
In die Arche des Augenblicks.
Wir Geretteten,
Wir drücken eure Hand,
Wir erkennen euer Auge –
Aber zusammen hält uns nur noch der Abschied,
Der Abschied im Staub
Hält uns mit euch zusammen.

Ulrike Draesner

what is poetry?

putzen staubsaugen rotz abwischen geschürftes knie 
bauch streicheln zum einschlafen oder wenn er wehtut
ein bettlied singen vorlesen die beine spreizen empfänglich 
und tröstlich sein die wäsche in die trommel stopfen 
schamhaare aus dem abfluß fischen zum zehnten mal 

http://www.draesner.de/de/neuetexte/?id=141