nachtgedicht

anlässlich Arne Rautenbergs
„du denkst“

du hättest auch mal was zu sagen
dich an ungesagtes zu wagen
so richtig auf die pauke hauen
den leisetretern den tag versauen.
doch du bist alleine
das ist das gemeine.

so bleibt das zu sagende ungesagt
nur weil niemand etwas wagt.
du hoffst nunmehr, dass alle wissen:
man hätte es längst schon sagen müssen!

die erde wird sich, hoffe ich, weiter drehen.
doch was wird am ende mit uns geschehen?
wie steht es mit unserem menschenschlag?
morgen ist schließlich auch noch ein tag…

tango solo

der alte mann auf dem verbrannten rasen
in buenos aires. einige menschen sehen
ihn die bekannten figuren zeichnen. wie damals
mit seiner geliebten frau, die seit jahren
irgendwo in ihrem anonymen grab liegt.
tag für tag zieht er sie im tanz zu sich empor.

warum sollte ich mit dir den tango tanzen?
es wird mein letzter sein, da bin ich mir sicher.
schließlich spielt mein leben nicht im kino.
ich finde irgendwann meinen titel für den film,
der sich um uns alle dreht – auch privat.
außerdem war tango noch nie meine stärke.

ohne stein

manchmal tut eine pause gut
das eintauchen in die mystik nimmt den atem
aus diesem alten körper
und sein saft trocknet schneller.

zu schweigen von den hoffnungen
die gänzlich unberechtigt seien, 
sagte der junge star der szene 
gerade heraus: zu alt.

die zeiten haben sich verändert 
ich konzentriere mich auf meinen kopf
den kann mir keiner mehr nehmen.
und später schaufeln sie dich ein.

dann gibt es einen stein
falls sie bezahlen wollen.
oder die mode ändert sich
und alles wird verbrannt.

mittig

sein leben ist jetzt echt recht schnittig.
und,wie gesagt, es läuft auch mittig.
da stellt sich keine frage mehr
es lebt sich ohne hin und her.
man kann das ende schon gut sehn
da hilft kein betteln und kein flehn.

ein wenig kann der mann noch dichten
und frühe werke blind vernichten
die lange er hat aufbewahrt
um sie der nachwelt zu erhalten.
sie wurden künstlich aufgebahrt
damit sie nicht zu schnell veralten.

und schließlich wird ein strich gezogen
der kreuzt ihn in der mitte
darunter liegt das grab.
falls man die dichtung suchen sollte
die inschrift heißt nach witwe bolte.
das wäre alles, was er wollte.

im traum

am ende entspringt den vertrockneten büschen
in der begrünungsecke nichts als ein leises rascheln
im lauen wind. der alte flieder wurde schon entsorgt.
so dürsten sie dahin und erwarten den neubeginn.
das leben entzieht sich der natur. die kinder werden
es so nicht schaffen. eine hoffnung bleibt: sie entziehen
sich uns und träumen sich ihre eigene welt

hoffnung

hoffnung

am ende entspringt den vertrockneten büschen

in der begrünungsecke ein leises rascheln im

lauen wind. der alte flieder wurde schon entsorgt.

so dürsten sie dahin, erwarten vergeblich den neubeginn.

das leben entzieht sich der natur.

eine hoffnung bleibt: die kinder erträumen sich

ihre eigene welt.

im schlaf

eines tages war es genug denn er hatte zu viel gesehen es wiederholte sich
alles kranke war ihm in der nacht erschienen ihm zu berichten wie es stand
es war ein buch von ungereimter wahrheit am morgen fasste er seinen
entschluss dass er nicht mehr mitspielen wollte so legte er sich wieder hin
und begann zu träumen sein leben schäumte auf und sprach zu ihm doch

er hörte es nicht mehr denn er war schon einige schritte voraus und allein.

eine zweite welt hatte ihn für sich gewonnen und sprach zu ihm in sanften
worten so kam es dass er zuhörte und verstand den kalten stein obwohl die
inschrift nicht zu lesen war so blieben ihm die zeiten auf ewig ein rätsel.

ein gespenst

dort lag das wesen eingegraben und verschollen
in seiner welt für ewig. doch im märchen wurde
es ihnen in generationen erzählt. seine kinder
wußten also davon und sagten es den ihren weiter:

eine frucht des sandes, im sturm der wüste geboren.
gefallen aus dem hohen leib der unbekannten kreatur.
wohin hatte es der warme wind geweht, der dort an
seiner erde roch? sie gedachten unter tränen den

gefahren , die es nicht sah. die forschung bezweifelt die
geschichte ud streitet alles ab. so könnte das wesen auf
immer vergessen werden und in ruhe schlafen. doch
die gelehrten halten es fest in ihren händen.

ein pfand

die dunkle felsenhöhle des heiligen war voll mit
unbenutzten dingen. er war nackt und blieb allein.
doch an einem tag im jahr segnete er die pilger.
sie gaben ihm ihre geschenke.

er legte sie sorgsam zu den anderen, nachdem er
sie in das heilige buch eingetragen hatte. danach
vergaß er sie für die ewigkeit. denn er war weise,
dass er so durch sein irdisches leben ging.

um nicht das falsche zu tragen, falls er gerufen würde.
das buch aber war das pfand, das seiner nachwelt
erhalten blieb.

als das gewitter nahte

da schwammen sie in ihrem leben.
es schien von fremder hand gefügt
und nahm seinen lauf. sie ahnten die
fragen, die sich stellten, sagten aber
nichts. ein beschwingtes raunen war
zu hören: die jungen leute genossen
das frische brot nach dem bett.

als das gewitter nahte, flüchteten die
unwissenden zum strand. sie hielten
sich umschlungen und gedachten ihrer
liebe. blitze zuckten auf und erhoben
die wellen zu mächtigen bergen.fischer
warfen ihre netze, doch es war zu spät.
sie waren angekommen.