Corona

Die feine Lyrik geht nicht mehr,
Jetzt geht‘s um harte Fakten.
Der Virus hat sich vorgedrängt,
Die Perspektiven eingeengt,
auf unser Überleben. Eben!

Was also sagt uns „unser“ noch,
für uns in dieser Welt?
Ist es die Stadt, das Land, EU?
Und zahlen wir und ich dazu?

Woher kommt Hilfe, wenn es brennt?
Und einer meint, der andre pennt.
Doch will ich hier nichts unterstellen
Und hört bloß auf mit den Appellen!

Ein Fazit ist noch nicht in Sicht.
Ein Urteil spricht das Jüngste Gerücht.
Und das wird in Sicherheit ohne uns tagen.
Wird es den Teufel „zum  Teufel“ jagen?

Maya war da

die mexikanische enkelin war zu besuch
opi tanz! rief sie mit lauter stimme und
ihr deutsch war makellos

der alte stand auf und zeigte ihr den moon walk, 
den er früher beherrschte
immer diese fehler beim rückwärtsgang. 
dachte er und schlug auf

seine starke linke hatte ihn aufgefangen.
doch sein arm war gebrochen und eingegipst.
Maya bringt ihm das essen und er verbrennt seinen mund.
so feiern sie das totenfest und er spricht von seinem glück.

Maya hört ihm andächtig zu, setzt sich zum 
trost auf seinen gipsarm und lächelt ihn an.
wie schön ist es doch, wenn man zuammen tanzt,
denkt er und fällt in ohnmacht.


als das gewitter nahte

da schwammen sie in ihrem leben.
es schien von fremder hand gefügt
und nahm seinen lauf. sie ahnten die
fragen, die sich stellten, sagten aber
nichts. ein beschwingtes raunen war
zu hören: die jungen leute genossen
das frische brot nach dem bett.

als das gewitter nahte, flüchteten die
unwissenden zum strand. sie hielten
sich umschlungen und gedachten ihrer
liebe. blitze zuckten auf und erhoben
die wellen zu mächtigen bergen.fischer
warfen ihre netze, doch es war zu spät.
sie waren angekommen.

Im Glas

ihr blick genügte, das ersehnte zu erkennen.
im strahl des dämmerglases. vielleicht auch zu-
gelaufen für jene, die geladen waren. damals:
das ewige ritual mit der bekannten essenz.

niemand kannte sie, doch es waren ihre gäste,

die sich genüsslich an diesem duft ergötzten,

der ihnen unbekannt war. so behaupteten sie.

als seien sie die erstgeborenen, denen jedoch


verschlossen war, was jenen mit ihren blicken

dankbar zufiel. so erstarrten sie mit einer angst

in ehrfurcht und knieten nieder im strahl des

glases: sie würden beten, ohne es zu sehen.

Das graue Haus

Ich hatte mich verfahren. Mit den Jahren schienen die Strassen verändert und die
Gebäude kleiner. Dann sah ich das Haus, dessen Klinker früher in einem
frischen Rot erstrahlten. Mein Vater hatte sie einmal im Jahr geputzt.
Die alte Türe hing zerschlagen in ihrer gebrochenen Fassung. Ihr blauer
Anstrich war verblasst.
Die Fenster waren zugewachsen. Rosen erblühten am falschen Ort.
An der Lampe hing ein Bienenschwarm und bewachte den Eingang. Der Honig
würde mir nicht schmecken.
Doch ich stieg aus und sah hinauf. Die Tauben der Bergleute zogen ihre Kreise.
Es waren nur wenige.Alte Männer standen da und lockten vergeblich. Die
Frauen riefen zum Essen. Sonst war nichts zu tun.

Ich fragte nach dem Weg zum Grab meiner Mutter.

schlaftrunken

was ich schreibe und so treibe
ist mir sowas von egal
wie ich lebe, ob ich strebe
für mich nicht immer optimal.

ob der grund die krankheit ist
sei nicht zu sagen, so ein mist
auch die familie kann nichts tun
ich bleib in meinem bett: zu ruhn,

zu träumen von den alten zeiten
als wir von altem uns befreiten
ich spielte damals blinde kuh
der hannes wader sang dazu.

der luther kann mir wenig helfen
in diesem jahr des jubilierens
vereist sich fort die zeit des frierens
ich flieg jetzt zu den islandelfen!

die elfen, sagt man, könntens schaffen
mich aus dem dornenschlaf zu wecken
mit röschen würden sie mich neckenl
ich still für mich mal wieder paffen.

doch in mir ruft es: island? kalt!
erkältung überfiel mich sicher bald
und ruft sehr laut aus mir heraus:
zu arm für island – kirchenmaus.

 

indien im ostend

unser tisch war besetzt. schon vor wochen
hatte claudia angerufen. zur sicherheit, sagte
sie. unser inder sei neuerdings immer voll.
immer voll? erwiderte ich. sie kicherte.

ein kellner kam zur türe. alles besetzt.von
den bankern. vielleicht in zwei wochen.mit
dem rollstuhl werde es schwierig.er sprach
akzentfrei. „und die wirtin?“ sie mit ihren
gesten ohne ein wort deutsch verstanden sie.

ist sie in der küche? der kellner wusste von
nichts. wir haben sie nicht mehr gesehen. die
ezb zahlt keine zinsen, aber macht sich breit.
wir suchen die wirtin und indien in ostend.

In der Klappergass

Der Wirt lag still auf einer Couch in der Wohnung über seiner Kneipe. Ein
Nickerchen vor Feierabend. Alte Gewohnheit. Der Laden lief gelegentlich ohne
ihn, dachte er, lächelte und schlief ein.

Gisi kam herauf, ihn zu wecken. Sie sah seinen Kalender, der auf dem Boden
lag. Kalkweiß das Gesicht, keine Atmung. „Einen Arzt! Bitte!“ „Gespürt hat er nichts mehr“, sagte der Arzt. Er schrieb: Herzversagen.

Sie versuchte, nicht zu weinen. Und dachte an die Gäste. Das Begräbnis an
einem kalten Wintertag, frühmorgens. Alle waren sie da. Auch seine geliebten
Eintrachtfans. „Lebbe geht weider!“(Stepanovic). Klappergass…

Belohnung

Wie war die Fahrt? Ja, viele Menschen.
Das Bahnhofsviertel Full Speed Ahead.
Die Alte kennst du? Irre Ausgeflippt. Die
Schwarzen Haare. Wo ist dein Baby? Sie
lacht. Zahnreste. Ein Bahnhof schreibt
TrauerGeschichten. Am nächsten Tag
in allen Zeitungen: Mord. Belohnung.

Gutleutstraße Richtung Westen. Nach der
Post rechts bis zur letzten Brücke. Links
Zur Kläranlage. Am Main. Dort, sagen sie.
Am Ende. Der Weg ins Grüne. Nähe Orange
Beach. In einer Biotonne bei den Gärten.
Das Foto aus 2011. Weihnachtsfeier. Mit 28.
Lange schwarze Haare. Lücken im Gebiss.
Eine Obdachlose. Die von gestern Nacht?
Dreitausend Euro. Viel Geld. Und das Baby?

Auf der Zeil

Auf der Zeil zusammengedrängt wie auf
dem Deck jener Fähre nach Naxos, als der
Wind aufkam. Das Abfallpapier wirbelte auf
und bunte Kinderballons kreisen wild über
ihrem Steuermann. Über uns erbricht sich der
gläserne Schlund einer Stadtskulptur.

Zerplatzte Bierflaschen trollen sich, geleerte
rollen auf ihrem Weg zur Post. Verworfene
Stummel tanzen fröhlich auf den Wellen,
doch das Kaugummi widerstehn. Die schweren
schwarzen Mäntel scheinen mit den Platten
verwachsen, auf denen sie hocken. Noch nicht
abgeholt murmeln sie unverständliche Sätze.
Ihre Bettelhand gefüllt mit Wasser.

Wir erreichen den Hafen einer wohlhabenden
Insel in der Nähe. Alles in trockenen Tüchern.
Clothing at its best und gute Manieren. Bulle
und Stier. Ich denke an die Arenen in Spanien.
Stören wir? Platz wäre genug und der Service
ausgezeichnet. Ein entspanntes Lächeln markiert
ihre Mienen. Sie sehen alle gleich aus. Ich verstehe
die Sprache nicht. Am Ende präsentiert man uns
die Rechnung.