Jeder ist jemand

Jeder ist Jemand

(George Tabori)

Keiner ein Niemand

Die Würde des Menschen unantastbar

Die Würde des Tieres durch Odem beseelt

Freunde lasst uns gemeinsam reiten brüllen

auf Löwen in Regenwäldern

auf Geparden durchmessen Steppen und Weiten

im Paradiese nebeneinander

am Tische sitzen

ihr Kinder des Waldes des Friedens

Orang-Utans  Gorillas  Schimpansen

Schweigemauern

Und täglich grüßt das Murmeltier …

 Die Gestalt verhöhnt 
verborgen die Haut mit Narbenästen
versiegelt der Mund mit Küssen verdornt
Familienchronik ummauert getarnte Verließe
keiner gesehen keiner gehört
das Schreien die Tränen
das Klatschen auf Haut die Schwielen der Seele
keiner gewollt sich geschämt
für Schönheit und gering die Rente.
Vater, mein Vater hörst du nicht
was Erlkönig mir leise verspricht?
Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an 
nicht Erlkönig, mein Herzensräuber, der Mann, mein Mann
hat mir Leids getan.
 
Und an jedem 3. Tage gefallen nicht wieder auferstanden,
die Gräber der Mütter und Frauen mit Schleifen geschmückt:
Zu oft umsonst gelächelt.






					

Novemberlicht

Novemberlicht
Wer das Licht sehen will
muß zurückweichen
in den Schatten.
Milch über weißen Rosen 
im Grüneburgpark
die Hochhausskelette fallen im Dunst
die Zapfen der Kiefer ein Flechtwerk aus Glas
liege ich am Kissen der Nacht
eins im Dunkel
Novemberlicht

Wenn die großen Regen fallen

Wenn die großen Regen fallen
die Häuser in Sümpfen
unter Dächern schweben beben
zähle ich Bein und Sein zusammen
werde auf Ariadnes Panther
über Inferno
über das Grollen tosender Ozeane fliegen

versuche die Winde die Gletscher
die Wüsteneien der Menschen
mein Los zu zähmen
den Geist aus der Flasche
durch Verzicht zu betören
auf ein menschlich gemäßigt Maß zu zwingen.

 

Das Maß der Pappeln

In Netzen gefangenes Flügelschlagen
Jahrzehnte eingegraben die
Tränen in deinen Augen
Zorn zwischen Kaiserbüsten Kopfsteinpflaster
und Pompeji.

Zwischen Kieferstämmen grau gewelltes
Erkennen
Vergangenes benannt verbrannt
auf Inseln zahnerhaltenes gebräuntes Lachen
Stimmen
endlich Regen in alt erneuerten Gassen.
Alles hängt mit allem zusammen
das Schloss der Main
in Sandstein getränkt die
Schönheit im Blick
das Maß der Pappeln
unwirkliche erinnerte Wiederkehr.

Feuerland

Allmählich die Felder im Braun versinken
die Wälder glühen
die Haut ohne Wasser Wangen zerfurcht wie
Wadis vertrocknet in Hitze und Glut.
Die Palmen tragen keine Datteln mehr
verdorrt die Früchte am kahlen Stamm.
Das Grün der Oasen weicht der Wüste
und stirbt.

Das Haus im Feuer, das Abendland glüht.
Das Gestern ist ein anderer Kontinent.
Rauch über Paris Notre-Dame in Flammen,
800 Jahre Geschichte der Menschen, Kriege
Revolutionen du wundenreiche Mitte aller erlebt.
Die Rosetten erstrahlen ein Sturm von Feuer und Rot
der Dachreiter fällt.
Die Heiligen verstummen von Scharlach umhüllt
die Wasserspeier in Licht und Trauergesang.
Die Seine trägt Asche
Weinen und Beten im Schwefelgelb.
Das Dach, Stämme von 800 Jahren „Der Wald“,
bereit zu sterben in Flammen von 1000 Grad.
Der Himmel, die Stimmen der Vögel,
die Erde, sie brennt.

Und tief wie Tinte die Nacht,
der Mond mit kühlem Atem.

 

Ohne Titel

Die Frische am Morgen
launig das Siedlerhusten
9 Grad lacht Vogel-Spatzengesang
montags in Asche
Mann in Kapuze
von Tür zu Tür
muselmanisch persönlich
Mainova liest Zählerstände
steile Treppen im Bettelgang

Bette mein Haar

Bette mein Haar auf Schilf
Stimmungen vor getönten Scheiben
Schluchten schwarz gezeichneter Bäume
Taunustor 1
Lauf durch hohe Hallen
Cafe und Installationen von Emigranten

Das Geflohene wird zum Baum
wie Daphne vor Apoll sich rettete
Lorbeer wird zu Kränzen
Alles ist eitel
Das Grobe mahlt das Kleine fein
Wer hat die Väter umgebracht?

Selene, Mondfrau, durch Nacht und Täler wandernd
sing mir ein Wiegenlied