Sternenstaub auf Moos

Sternenstaub auf Moos
glauben wir an Nächte
folgen der Biegung der Bäume
achten auf Jahre
das Rufen der Tiere
lauschen dem rollenden Jadehasen auf
der dunklen Seite des Mondes
drehen uns im spiegelnden Kristall
und pokern
im Fluss der Zeit

Nebelgewächse

In Milchfaser gesponnen
Keine Höhen zu sehen
Nichts zu ersteigen
nicht mit Wolken fliegen
Spüre ich Chronos Hände zittern
Hinter Nebelwänden
schwelen die Gesänge der Titanen
Ganz in Weiß und Purpur

Von Wolkenfronten kühne Schreie
Kalligraphien bewegte Formationen
Drachenbilder Apollons  Sonnenvögel
Heerscharen tausendfaches Flügelschlagen
folgen sich in Prozession.
Ach ihr schlank gereckten Leiber
Kraniche ihr Glücks- und Götterboten
Heil an Schönheit andere Orte
meine Gedanken fließen mit euch
Trompetenschall nach Süden.

Augen schließen

Augen schließen
Angst mit Licht begießen
die Szene gibt es nicht will sie nicht sehen
hinter Türen Schleusen
es dauert wie es dauert
die Not der Zeit
die menschliche Not
das Dämmern das Wachen Dämonen
Erwachen Grün im Schmerz
Stillgelegt und vertrauen
Operationen Schnitte Korrekturen
Fürchte dich nicht  ich nehme das Überflüssige
ich stärke dich
ich bin bei dir
sagen Eltern alle Tage
Babyschreien in Holzgestellen
links der Kreissaal  weiter hinten
Korridore wie Flügel zum Leben und so weiter.
„Ich passe bei all meinen Patienten auf …“
lacht der Operateur mit Brille.
Vasen und Kaffee  Warten
an das Leibliche denken
der Leib hat Schmerzen
er will leiden verlassen kränken
Weiche nicht
ich stärke dich
ich will dir helfen
mache unversehrt was stört
mache ganz um Glück zu erfahren
Fürchte dich nicht
ich bin dein Gott.
Den Körper achten seine Zeichen
Respekt vor Schwäche Klagen
ihn lieben der verläßt allmählich lassen
darauf sich verlassen
Kirchenglocken zarte Zeiten läuten
Das Einfache nie gut genug
Zweiklang Dom Dreikönigskirche
Sachsenhausen.

Glutmond

Heiss die Nacht der Mond versteckt
von Erde beschienen ruht er gemeinsam
dreisam mit Sonne und Erde vereint
den Blicken fern astronomisch harmonisch linear.
Dann erglüht er liebeswarm erscheint er
Mondsüchtigen ohne Zahl
hängt über dem Städel rot rund Märchenmond
grüßt die Malermonde
von Max Ernst Beckmann Chagall und Klee
tritt dann erbleicht von langem Liebesspiel
aus seinem Schatten und
leuchtet Erglühten hell heim.

Orange Rot Rosen Tigerlilien

Orange Rot Rosen Tigerlilien
rhythmisch geneigt dem Lavendel
Lorbeer und Bambusgrün lehnende Stängel
Männertreu viril blau im Bunde
duldsam in Ton
weilen bei Bartnelken Rot in Graubeton
Oleander in Weiß heiß gehüllte Fenster grüßen
Rosmarin in Saft und Duft
reihen hohe Sommerzeit.

Mein Flieder

Mein Fliederbaum blüht ins Blaue hinein
denkt meine Gedanken nicht zu ende
in dichtem Geäst breit gefächert fliedert
flüstert tropft er Bienen Honig ins Fell
rüttelt einen Battlerap
das Kreuz zwischen Marx und Söder
strebt lila himmelwärts
Charmeur mit Hörnern.

Das Glimmen der Dächer am Morgen

Das Glimmen der Dächer am Morgen
Die rauschenden Sterne
Entfernt
Komm fühl
Die weißen Blüten an schwarzen Ästen
Welch Vergehen
Knospen an Kastanienbäumen
Magnoliensterne Duft in Auen
Ein Bild braucht ein Bild
unergründliche Zartheit der Frauen

Beim Bären um die Ecke winkt da Vinci mit der Waffel
Römer-Sonntag am Museum, hohe Treppen neuer
Tempel für Frankfurts Stadtgeschichte.
„Ich will Gerechtigkeit – ich mit Pfarrer sprechen.“
Oberlächeln hinter dicken Brillen. Schiefhals vom Bedienen.
„Krebs gehabt? Dein Schal liegt unten!“ Freunde in Beziehung.
Am Nebentisch Quergelöffel, ein altes Paar die Sahne teilt,
Glanzkirschen für jeden Cappuccino zwei Schlucke für
das Herz.
Raucherdampf auf Frühlingsstühlen alte Lieben
vor den Römerhallen.