Rosen im Winter

Hervorgehoben

Winterrosen blühen hell
vor kaltem Horizont
ein federleichtes Licht
die Lichtverkünderin
wirft ihre kühlen Schatten

feiner Geruch erinnert er
an Eis an Stahl
strahlend ihr Muschelweiß
in Kältezonen

am Blickrand meines Tages
lebt sie und folge ich
der Lautspur ihrer Blütenblätter
beheben kalte Gegenwart

begleitet sie Strukturen
meiner Täglichkeiten
geduldig führt sie mich
und weit hinausin Zeit

gemeinsam träumen wir
in das Versprechen
weißer Wünsche

Europa am Ende – Ein Flug

Tief unter mir
Landschaft
monoton der Morgen
wärmt sich auf in
Trostlosigkeit
dringt bis zu mir

Explosion in Rot
nichts als Trockenheit
Kropfgestein
roh verformt

störrische Flussbänder
und Berge hoch geschürzt
stoßen sie hinauf
unter Qualen
zerreiben sie zu Sand

Mit den Wolken
zieht es mich zum Meer
die Küste verpackt
in fleckige Lappen
dicklippig gespannt
Gestank nach 
Ausbeutung Armut

Fahl gelbes Licht
gespiegelt im Horizont
der Abfall der ganze Rotz
aus Dreck und Stein
gerutscht in tiefblaues Meer

(und) ich fliehe mit dem Flug
in der Hoffnung
auf hellere Räume

Des Nachts

Abgeräumt  
der Tag iöst sich 
in Richtung Abend  
ich denke 
in die Dunkelheit
wächst an zu schweren Tönen 

ich zupfe
ihre fusselige Ruhe
nächtliche Kälte 
sickert aus den Wänden 
die Stille lastet bleiern 

an der Oberfläche  
ich atme in die Nacht 
und meine Sorgen
sie vertrödeln hier 
mit mir die Zeit
wie immer stumm gelehnt in
irgendwelchen Ecken
Schlaflosigkeit
ich zähle sie und
ordne sie nach Klang 
nach Farben

die Luft leert sich 
und mich beschleichen 
ernste Zweifel ob
je ein Morgen kommt

Trostblau

Blau legt sich die
Erinnerung in meine Handvoll
Glas. Ein blaues Kästchen.

Glasfluss. Wie ein Geheimnis.
Immer weiter zieht.
Am Grunde blitzende
Lichttupfen. nehmen
die Kälte von den Augen.

Weich und geschmeidig
schmiegen sich die Finger
wärmen kleine Hände. Ich
berge meinen Kopf
hinter der blauen Haut.

Von weitem spüre ich den
Duft verwehter Stimmen.
Wächst Sonnentag um mich
schmeckt wie aus Licht.

Streut Blau Vergessen
in den Schlaf der
Schlafenden.

Ich finde neue Namen
für alles in mond-
blauem Schwingen.

Rotes Land

Blutig rot spreizen die Berge ihre
strotzenden Schenkel in steile
Lüfte  das gerissene Fleisch
jäh nach oben gestülpt

unendlich die Bögen in der Höhe
Mulden wie Hüte auf
das Land in Wellen und rund die
massigen Steine gehen am Berg

Wolken aufgequollne Fische
bauchoben schwimmen sie weiter
in endlosen Zügen ziehen stetig
der Ewigkeit entlang

in die Tiefe geduckt verborgen
in unsere Unterwasserwelt
schreiten wir auf dem Boden des
Meeres ahnungslos um aufrechte

Haltung bemüht auf die
Hüte die Haube gesetzt
die Kleider strudeln im
Meerwasserwind umflattern sie

uns in Steinfarbenrot die
Stimmen Metall ein  matter Klang
in der Strömung und in den Armen wir
wiegen die frisch geschlachteten Lämmer

Am Rande

In alle Falten
fallen Schleier aus Staub
verwandeln die Landschaft
Schwefelluft stülpt sich
ein Vorhang aus Wolken

Himmelloser Ort
bleiben möchte ich nicht
da wo niemand
verweilt
Rundherum Hügel
bedeutungslos und müde
nur krankes Schorfgestein
gebrochenes Geröll
erbricht sich weithin grenzenlos

Und Mauern flachgehetzt
sie fliehen im Wind In
papierblasses Nichts
Und Fensterhöhlen
wie Augenlöcher
lauschen sehnsuchtsvoll als
bangten sie um Verlorenes

Wenige Schafe
magere Lebenszeichen in
den Hang geduckt
stockfleckig
wie aus Stein kauen sie
auf harschen Resten
vergessener Nahrung

In Aquamarin

Sehnsucht nach

blauen Blumen

geborgen unter Farnen

Wald badet dunkel

Sehnsuchtsmelodien

aus gereimten Seelen

rieseln blaue Nadeln

Luftgesänge

in Eisblau

riesige Lettern aus Glas

rufen locken sie

„Aquamarin“

über die hektische Stadt

hinaus weit bis ans Meer und

mondblumenblaues Glitzern

in meiner Hand

Kostbarkeit aus Glas

glatt und schmeichelt weich

Sonnenspiegel aus

blauer Heimat

da – süchtig nach Licht

öffne ich weit

dem Morgenblau

knote die Sonnenstunden

in meinen Gürtel

folge dem Wimpernschlag

der Wolken

auf der Suche

nach der Farbe meiner Sehnsucht

nach  Aquamarin

Traurige Taube

Da. Die Taube,
ihr Blick gebrochen und steif.
Schön entfaltet liegt sie
seitwärts geschmiegt
an rauen Asphalt
kostbarer Glanz des Flügels
blaumetallen strebt er
geradewärts
in die Benzinluft der Stadt

das andere Teil (der Rest)
gepresst in den Teer
der Straße
frisch geplättetes
Kissen trunken
von rostigem Rot
Eisengeschmack stülpt sich
über Pfade wurmförmig
geronnenen Bluts
trocknen schon bilden
eilige Inseln von

zackig knackendem Gebein
milchbleich im Nachmittag
Magen ein Brocken
laschen Lungengewelks
lackrote Leber
alles mundgerecht gerichtet
scharrt es Fuß vor Fuß
eiliges Schaben Schmatzen
es schmatzen
die Insekten die Tauben

(Und wenn sie nicht gestorben sind)

Frühling Frühling

Tulpen weit aufgesprungen
ihr roter Schrei in der
Frische frühen Lichts
Farben volltrunken grölen sie
krachen über schwülstigem
Blättergrün parfümierte
Narzissenrüschen tanzen
weiß gekleidete Mädchenlieder
Blüten paradieren
von steter Wiederholung
übersättigte Gesichter
sie locken Bienengeschosse zu
gierigem Anflug auf saftige Quellen
Schlupflöcher lauern

Aufbruch zu neuen Paradiesen
ohne Winterverletzlichkeit –
ich hoffe auf den Südwind
in Erwartung gelber
Sonnenküsse
gleite ich gebannt in den Rhythmus
von Duft und Farben

Wald

und tief im Wald
wir suchen Schutz unter

den Ästen sie flechten
sich in unser Haar

wortloses Versinken in
unsere Blicke Gelächter

ohne Absicht Stolpern durch Blätter
Geraschel lösen wir uns aus der Zeit

ein Mosaik aus Gesten
Atemschöpfen für neuen Mut

wir halten die Stille des Nachmittags
dehnen uns in die Stunden

die Kleider fliegen mit Leichtigkeit
und die Zweige zittern

Muster auf unsere Haut
der Tag löst sich auf

wir wachsen in die Abendschatten
unterscheiden uns kaum

von der Umgebung legen
wir uns zu den Wurzeln

werden eins mit dem Wald