Der Beobab

Sonnenstrahlen zersplittern
die blauen Kacheln im
flachen Becken. Zittern sie
Schattenkreise über den Boden

und: In Gedanken zeichne ich
eine Kuh ein Zebu mit.
Mit rund geschwungenen Hörnern
ich lege meinen Kopf in die
Halsbeuge des Rinds  ich
lausche dem Pulsschlag
seiner Tränen und flüstere
um Vergebung.
So könnte es.

Oder: Mein Blick folgt
dem Gebrüll des Meeres
am weit aufgerissenen Strand

und: Ich studiere Sandkorn
für Sandkorn die Nachhaltigkeit
des Affenbrotbaums.

 

Auf Fahrt

Ich fahre Stunden an denen die Zeit
abgleitet und schaue
über Land ungeschriebenes Land
Weiden Wiesen fest gelegt wenig Leben

auf das weite Gras gesetzt
die hohen Zäune ordentlich
vermessen Straßen unwegsam
voll Schotter breitbrüstig
Häuser abgelegt beiseite
gelegt auf fleckige Rasen Mauern

in Bodenhöhe voll gestopft
mit Verdrossenheit
übler Laune aus den Fenstern  summt
stumm das Tiefseelicht der
Fernsehgeräte die Gärten

unbeteiligt daneben gepackt mit
vom Wind geplünderten
Hecken ein Landstrich wie
untervermietet

die Krähen hören auf
zu streiten sie
lösen sich von den schweren Feldern

und steigen steil in die
Höhe als wären sie
auf der Flucht ich folge
ihrer Freiheit in den Lüften

Rote Blume

Draußen Nebelleben zeitlos
verwaschen grau auch in den
Nachrichten alles Grau in Grau
Lichtlosigkeit Winterluft
ausgelaufen duftlos
Müdigkeit nach langem Jahr
aller Schwung ist der Welt und mir
abhanden gekommen ausgesetzt
dem Alltag dem schäbigen Matt
ohne Blättergrün – ich fühle mich allein

Das Tageslicht spielt letzte Töne
allein steht eine Blume vorm
Fenster ein übrig gebliebenes Rot
balanciert sie auf gedörrtem Stängel
aufrecht wie Posamentenstickerei
fleißig gestickt vor schlieriges
Grau tastet sie mit Vorsicht
dringt ihr Rot durch die
Dezemberdämmerung drängt sie
in meine kühlen Tage Gefährtin
meiner Einsamkeit zählt mit mir
die alten Abende blüht sie
meine Trostblüte gibt
Heimat Winterwärme

winterwarten

landschaft ödes
schlammgrau. hinter
rauchglas müde
verwischt. atemlos
geworden lang vom
jahr. schatten ziehen
ihre linien eng in

mustern auf asphalt.
nachtgerüche müdig-
keit will fallen. luft
wie unter einer glocke.
hügel täler flieh `n
davon vor der erwartung
todesmüder tage.

greifen möchte ich nach
ihnen halten retten sie
und mich vor dem ver-
schwinden in endlose
winterszeit.

Mondnacht

Tritt behend der Mond
in meine Fensternacht
rollt heran aus lichtem
Wolkendickicht
träumt Lichtertrost in
späte Zeit freundliche
Helligkeit ins Dunkel
schwimmen Silberblüten
weit am Horizont

gießt Glanz und Schatten
meinen Straßen Häusern
Blätter leis zittern
Pappellicht und Ordnung
weist er meiner Welt
im Kleinen dunkle Farben
zu der Abendruhe stäubt
Stille in mein Zimmer tropft
Mondlicht mir den Schlaf
der Nacht

Hochzeitspforte

Blum` an Blume heitrer Blütenreigen
auf Holz mit zartem Pinselstrich gemalt
zu Zwiegesang und Liebesklängen neigen
sich Lilien Rosen lieblich in Gestalt
die Hoffnungsmelodien niemals schweigen
da Harmonie und Sehnsucht drängt dass bald
das Lippenrosa liebevoll sich mischt
mit Muschelweiß zu ew`gem Frühlingslicht.

Übers Tal

Einsam lehnt es sich am steilen Hang
auf karstigem Geröll nah übers Tal
und weit entfernt
ein lichtes Haus in Weiß Erinnerungs
Farben schimmerndes Porzellan.
Kein Schatten rührt daran
und heiter greifen filigrane Bögen
ins blau gemalte Firmament
helle Erscheinung zart umrissen als schwebe
sie davon in sanft verwehtes Mittagslicht.

Niemand kein Mensch steigt hügelan
unter dem Julihimmel wählt
den Weg knirschenden Marmorkieses
drängt sich durch Salbeibüsche Rosmarin
drückenden Aromendeuft der bienenschweren
Kräuter vorbei an den Zypressenwächter
stramm gerichtet eng Baum an Baum
Seelenspalier scharfkantig spießen sie die Spitzen
in den Himmel. Und über alles
Gluthauch weißer Julisonne.

Ich sehe es vor mir gehüllt in
Marmorwind nie traf ich hier den Abend an
weiß nicht ob es ihn gibt
staubige Schleier wehen in Gedanken in
Erinnerung begegnet es auf Bildern
träume ich Personen in hellen
Kleidern die Leben bringen in mein Julihaus
schwimmt es in träumerischer Ruhe
auf der andern Seite übers Tal.

im warten

reiher metallen blinkende blüten
erhellen den tag
wie federgirlanden schimmern sie
weißes erinnern ein
wolkenatem silbern filigran

in reihen stehn sie
lehnen weiche bögen
schwinge an schwinge
ferneträume unter den flügeln
wiegen flüstern im wind
federflügelgesang

reihen in ruhe in frieden
an den ufern überflogener tage
versunken am traumtiefen wasser
senkrechten blicks stehn sie
in erwartung kommender zeit

Geselligkeit an Ziegen

Im Rausche satter Butterblumen
und Klatschmohnbüschel, rote
Stempel auf den wilden Wiesen, wo
schwarzgelockte Ziegen wohnen.

Wir Menschen, Fremde hier, erstürmen
die schweren Weiden und träumen
traumhaft uns in Gottes feste Burgen.
Glücklich das Bild von Männern, die

auf Ziegen starren sehnsuchtstief
in Täler, wo Bäche streng gescheitelt
fließen rinnsalabwärts. Die Wiesen,
von Ziegen schwarz beschwommen,

und strenge Düfte drehen wirre
Wirbelwinde, sie flattern über Gegend
wanderweit, und mondkalbbrav ersin=
nen unsre Kehlen Heimatmelodien.

Niger

die hütte einsam an den abend
geschoben keines menschen
laut tagaus tagein nur
schabt der wind
knirscht harter sand

ockerfarben mauern hand
geformt aus lehm die
eisentür in
ausgewaschnem rot kraftlos
hängt sie gebrochne flügel
schlagen gehorchen
willenlos dem takt des windes

im dunkel hinter mauern
gestalten eingepfercht
kauern sie am boden
siecht hoffnung auf die weiterreise
in neues leben und
immer zehrt in ihnen angst

und niemand tritt heraus
bewegt sich fort im faden
staubgeruch und sinnlos ohne aussicht
wie abfall reste
sie schimmeln
in boden unterm sand