Der Bauch von Frankfurt

In sich ruhend zuverlässig auch nach
Ewigkeiten, es gibt ihn noch – Versorgungsbauch
der Stadt schiffförmig angelandet, aus
Stein, aus Blech, Ort meiner Sehnsucht,
Anker allwöchentlich städtischer Runde.

Drinnen Licht aus Tag und Schatten,
Farben brüchig gedämpft dem Tanz ums
goldne Kalb, Inschrift allen Sinnenglücks,
der Spezereien, Köstlichkeiten. Lippen
gerundet schmachten, süffeln sie im Vor-
geschmack unter Stilettoblicken scharf
bewaffnet, dennoch besänftigt durch die Überfülle.

Gerüche stark von Lebenslust und
strengem Tod, Blut sickert durch
Aromendämpfe. Nur schemen-
haft die Metzgersgattin unter sattem
Tanz würziger Würste, Salam Aleikum
grüßt Mohamads Teeglas und um mich
atmet Minzeduft.

Vom Haken winden sich verdrehte
Hammel, Hühner Enten Federtier
einsam in Nacktheit, seelenwirrend
starren Fische aus schmalen Silber-
bäuchen, kleben kehlrot Stücke Fleisch,
bäuchlingsgelb gestapelt zu Pyramiden
ruhen Käselaiber, Pasteten grimassieren
Trüffellangeweile. Stillleben
aus Formen, Farben, Düften.

Vertieft in Ehrfurcht, alles eng umlagert,
Scanneraugen, Stalker, Foodpornografie,
es fletschen Zähne kannibalisches Gemurmel
und würgen stumm ihr Wunschgewöll.
Ein Defilee der Willigen, ich folge
ganz im Banne meiner Gaumenwonne
und wäge ab, ob Fisch ob Fleisch
fürs nächste Ma(h)l.