Die Farbe Rot

Du bist ein unbeschriebenes Blättchen, sag ich dir.
Auf dem finden meine Erinnerungen, Lügen und
Meineide nicht statt. Wenn du im Wasser ersoffen
bist, streich ich dich aus meiner Liste. Wenn es am
Freitag regnet, schaufel ich dir unser Grab.

Frisch gepanschtes Rot unter stumpfer Perücke.
Ein Brett vorm Kopf. Plakativ die billigen Reste
eines Kindertraums gemalt mit feuchter Kreide.
Auch die gesabberten Küsse in der Farbe der
Finsternis zertretene Schnecken in Gelb. So Nolde?

Vorschlag mit Gewehr. Aus abgeholzten Wäldern der
Smog von brennenden Brachen. Der Schrei des Vogels
durchdringt den vergessenen Tag. Bleiche Todesengel
krächzen ihr letztes Lied. Die Augen des Torsos.
Mumifiziert in den beiden Körpern ewig gefangen.

Aufgemalt im Schein des eisigen Feuers. Atemlos
ohne Zeit und Raum. Kein Leben am Rande des
pechschwarzen Nichts. Erinnerungen mit den
glutheißen Winden verbrannt. Einzig die Farbe Rot:
die Kette sichert die Verben in ihrem frischen Verband.