Flucht

Roswitha Aulbach

Mond über Mannheim
oder
Wer will nach Afrika

Im Sand am Strand im Rund
Krokodile in Spalier
Tausende von Füßen Panzer
frisch das Fleisch
durch Mondsand wenige
sich ins Wasser retten

Brot und Tulpen für Vertriebene
wer will an leeren Tischen sitzen
Ritter in der Tafelrunde
am Straßenrand das Essen

Ewig die Suche nach Gral Zuhause
Getrieben über Zäune und Grenzen
Verschieben von Land und Gezeiten
Festungen Befestigung schwankender Planken
Land so alt so Emigrant
wie Salz und Zucker verstoben

Noch nie so nah ein Mond über Autobahnen
steigen wir mit Leitern über Dunkelheit
das Kind in regenwarmen Armen
kein Richtig kein Falsch Ankommen Annahme
kein Johnny Walker warm im Sessel
Stirnwelt in Wellen
Conquistatores

 

Susanne Thauer

Auf der Flucht

Das Boot in rostig Rot und bitter
im Gesang der Wellen, poltert
Gedröhn aus tiefem Grund, wo
selbst die Fische flieh`n die
Flüchtenden. Ein Wiegenlied – ein
Totenlied zur Freiheit? Ein schwarzes
Grab?

Fern in Träumen schwer und
süß dem Schlaf der warme Duft
des Neembaums, blau die Jacaranda.
Der Blick aufs Wasser salzig grau,
das tanzt und tobt und drüber mohn-
blutrot der Mond. So blüht aus ihm
der Tod?

Schneidet eisig makelloses Weiß die
Dunkelnacht, ein Licht scharflinig kreist
um ihre Schale auf würgendem Geschling
und bellen Stimmen unbekannt, es
krallt die Angst, sie bricht ins meer-
geschund`ne Herz. Und dennoch haben sie`s
gewagt.

 

Gudrun Selten

Flüchtling flüchte

suche Geflüchtete Daunen für
deinen pochenden Kopf
aus der alten Heimat sagte
Mutter immer
Eider sei Bleibe
ein Kissen
macht Hessen erträglich
von ihr
bei mir
im Badezimmer
ein Ableger vom Baum
an der verlassenen Kirche
neben der Eingangstür

Gudrun Selten

…,  was ist mit der Menschheit los
… jüdische Menschen müssen ins Ausland flüchten    F a n a l
wenn Niedertracht brutal und mit Macht ihr Menschsein
verlacht brachial ihren Besitz begehrt ihnen ihr Land ver
wehrt Gedanken  verbrennt Religion aberkennt und will
daselbst züchten blauäugige Hünen wie der schnauzende
Führer es lehrt das wäre gelacht mit blonden Flechten
sie vereinnahmen bedenkenlos deren Gelder Positionen
es soll sich schon lohnen besitzen nun Häuser Fabriken
sie trauen im Wahn sich zu hassen schändlich zu mani
pulieren Rassen ihre Schäferhunde sollten sie fassen    i n f e r n a l
Juden werden ins Abseits gelenkt erschossen erhenkt in
Vernichtungslagern mit Gas übergossen in den Tod gedrängt
Überlebender flüchtet nicht Flüchtling für ewig  so hoffe ich
demütig geschuldet dem Wahnsinn von eh

 

Gerhard Schrick

Lyrik2 002

Wohin

Verlassen das Land
verkauft und betrogen
kämpfen durch Wüsten
vergessene Route
im Leben gestorben

dahin/zurück

Über das Meer
in wogenden Wellen
vergessen gepresst
Entsetzen der Qualen
in Fäulnis entdeckt

dahin/zurück

Am Ende des Weges
die Wogen geteilt das
gelobte Land in der
schwarzen Nacht
ohne Hoffnung

dahin zurück

 

Andreas Werner Friederich

Flucht. Versuch

wäre gerne auf müßiger Straße
Sinn eigen verhaftet,
wie Herrschaften Kartenbilder,

Häupter gekronte, die da
das Brettspielen, Brett vor dem Kopf
Bauern türmen, Läufer, Springer,                            Flüchtende
ich spielte mit,
Fruchteifer sucht,
eines Tages wechselhaft. Haft,
da lernte ich mich kennen,
hier Flüchte aus. bleiben wollen,

anderer Nöte Zwirn,
den Mantel im Wind,
Pferdewechsel,
Kindsunterschiebung,

entkommen Strickgeleit,
in die Sümpfe steigen
mit heiler Haut

Flucht. die sucht
kleine Flüchte,
Alter blieb,
wie Wünsche
ungehorsam
haft Versprechen,
quartiersgemacht, dann desertiert, dass
nicht einkerkere, hafte Versprechen
dich frei,

lieh stilles Licht im Durst
nach