Frankfurt am Main (2011)

Lange liebt ich dich nicht, du hast’s mir leicht gemacht
Gaukelst Größe im Kleinen, mit Wohnküchen-Deutsch
Eitle Himmelsstürmerin
auf des großen Bembels Altar.

Früh umworben, als du Hauptstadt werden wolltest
Sammelst du jetzt Reste, Airport, Bankzentrale
von Europa, abzüglich
Bundesrechnungshof, gerechtem.

Tausend Jahr Könige gewählt, in der Kammer
Am Dom, Südseite am Ufer des Mains, ein Fluss
Voll Sagen und Gerüchten
Lässig fließend in dumpfer Gleichmut. 

Traum von Zauberorten, alten Judengassen
Verschwunden in Büchern, unter Friedhofsgeröll
Schichten von Zerstörung und Wahn
Gerichtetes Frankfurt am Main.

Für Freiheit, Einigkeit und Recht, stritten Männer
In der Paulskirche, jetzt nah der Kleinmarkthalle
Heut von uns satt besungen
Geliebter Geflügelfrischdienst.

Friede mit dir? Der Flughafen hat’s leicht gemacht
Dich nicht zu verlassen, wie einst dein Sohn Johann
Wolfgang. Dank dir, Lufthansa!
New York sechs Stunden nur, Peking elf. 

Du von Schönwetterfronten Bevorteilte, saugst
Aus der Oberrheinischen Tiefebene Wärme
Wälzt dich in großer Schwüle
Von Taunuswinden kurz belebt.

Von deiner Schönheit zu singen, hier auf der Zeil
Bleibt dir gleichgültig, auch deinem Stadtplanungsamt
Schöner ist’s, die Flieger zu zählen
Beim Anflug unter dem Himmel.