Heimat II

Ralf-Rainer Rygulla

Heimat 1 bis 4

meine erste Heimat
war ein Armvoll schöner Steine
rechts vom Außenlager

meine zweite
war ein Sack Kastanien
bekam vier Groschen dafür

die dritte Heimat
war das Zentrum der Welt
aus dem ich vertrieben wurde

die vierte
die längste
kann ohne mich

 

Susanne Thauer

Im Näherkommen

Im Näherkommen – du bleibst stehn:

Das Haus die Räume früher,
vieles gerostet, schwer hängt
die Tür den Weg versperrend.
Die Blumenkästen halb ent-
leert, nur Reste müde weggedorrt.

Alles geschrumpft vor deinen Augen.

Und Möbel Bänke quer gerückt
begegnen ungelenk wie falsch geordnet.
Ein abgestandner Alltag färbt
die Luft mit Staub. Kein Duft
grüßt mit Erinnerung aus alter Zeit.

Der Hund, die Kinder größer jetzt
von einst und ernst geworden,
schnell verstummt und ohne Blick,
sie wenden sich von dir so fremd.

Nur Kälte Augen grau und leer,
das Wiederkennen knapp, kein Gruß
von ungefähr kein Lächeln, Stille nur,
sie lastet schwer wie Stein. Und

drängt.Und gehst du ohne Wiederkehr.

 

Gerhard Schrick

Verlorene Heimat

Am Rande reckt sich die alte Tanne zum
Matten Licht. Von der Wucht des satten
Grüns über benachbarten Gruften bedeckt,
Verlor sie das Strahlen der Sonne.

Kein Weg führt zu ihm, den ich kannte.
Betreten verboten markiert die stummen Reihen.
Dort eine wächserne Rose mit drahtigem Stiel,
Von den Wächtern des Todes übersehen.

Jemand zeigt mir den Ort. Da sollte er liegen.
Nach Vorschrift in seinem kalten Gefäß. Der
Künstler eines prallen Lebens. Vergangen.

Ich kann ihn nicht mehr erreichen. „Cafeteria
Am Friedhof“. Einkehr mit hängenden Schultern.
Ein Milchkaffee. Er hätte Bier getrunken.

Nachmittags. Kuchen? Die schwarze Lady
Gähnt. Nichts Süßes. Und schleicht davon. .
Die Zeit steht still. Verlorene Heimat.

 

Andreas Werner Friederich

Kalte Heimat

I
es war kalt
Altes war dir,
Heimat war,
warte Vergessen,

bemessen
das Wenige
glimme, gewesen
Reste unter Glas

gesessen
er innerst
los zu sprechen
Leben, die Spur dahinter,

Verschwinden
und spiegelt ins Licht gelesen
hinter Schutzschichthalt
tresterkalt,
gestaltes Erbarmen
alter Heimat Gesicht,
Vergessen,
das martert

II
Leg ich, Oberfläche hart
auf deine Haut,
Zeit der Ebenen,
Altes was das Leben staut,
Fadengeäder,
dinge Wege, rede

nichtwissendem Hochmut,
Gefolgschaft, Leitbilderjüngern
Verhafteter,
lass die Wärme unter
die Fläche, amoure Haut,
jene Heimat,
zäsure.

III
Kälte kelter dem Winter den Frühling aus.

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