einige Gedichte aus:

„Lyrik am Main
Frankfurt Gedichte“

Andreas W. Friederich

Cafe Laumer

Worte rätseln Beschaulichkeit,
mehr Lau als Preis                                    
Nussbaum täfelte sich, hüben,

Knopf, Loch im Ohr, drei
die am Tisch, Geweißtes
Überschminken, Angebunden
erinnern. Bildern,

hing die Zeit am Bügel,
Lausch ein moosbraun Plausch
am Stück, dies, ich rahme. Sahne –
rücken. auf leere Stühle, zahle

allein. gebeugt vom Scheinen
Dinge die leinen, ältliches. Schüchter
Tassentellerberichte reimen
Kinderträume. Belang,-

los Fäuste am Hüstel, Nicken,
Blicke nachharm. alles stillen
Wänden, Nussbaum. in Ränder
maserte. Dämmern

 

Gerhard Schrick

(Oder)

Frankfurt ist wie ein Gedicht
doch manchmal mag ich es gar
nicht weil es zu sehr nach groß
stadt riecht und dann der Main
mit seinem Moder ich zieh bald
um nach Frankfurt – oder?

 

Roswitha Aulbach

Eiserner Steg

Stege steigen
dehnen weiten
lenken über Schluchten Tal
suchen heben Gegenseiten

hängen über leiten Wasser
Bogen wachsen Aquädukte
jagen Autos über Bahnen über
Brenner Pässe hin zum Süden
Ponte Arno Vecchio
krönen Häuser Handel Mythen

Alte Brücke Neue Brücke
Frankfurt Main erleben
hell die Achsen Euro Banken
Schlösser zeugen Liebesbande
über Schiffe Ruderer und Kähne
Möwen vor mir weiß in Reihe
stählerne Streben des Eisernen Steges

 

Ralf-Rainer Rygulla

Heimat 1 bis 4

meine erste Heimat
war ein Armvoll schöner Steine
rechts vom Außenlager

meine zweite
war ein Sack Kastanien
bekam vier Groschen dafür

die dritte Heimat
war das Zentrum der Welt
aus dem ich vertrieben wurde

die vierte
die längste
verhandelt mit mir

 

Susanne Thauer

dribbdebach

samstag abnd. dribbdebach. im
alde chavellsche. wie jedn
abnd. geschrei. geplärr.
äbbelwoidunst. faust
aufn tisch. schlachtplatte.

mit kraut. hier euern weckzeusch.
witz messerscharf. die
schlacht findet im saale
statt. kampfstiere gemeinsam
gegeneinander. blick in
die runde. schulterzuckn.

schlächtschwätzer.
babbelarsch. luft
explodiert in gelächter.
spottgewitter saftig um
die ohren gerauscht.
spitzes lachen. ein
ton un du kimmst in die
supp. künstlich
geschichtete weltsicht.
sprache faulzüngig
hinter den zähnen. wörter
schnelle lippenakte.
speichelteufel. stöffsche

bembelweis. tiefgespritzt.
„herr dokter, isch leid an dorscht“.
gereckten kopfs.
jeder gast mit herzlichem
willkomm. nasen ohren
flügelweit gesperrt. Immer
gierig nach neuem. und
offen für die welt.

 

Gudrun Selten

Herbst im Westend

Eine kahle Kastanie
elf Krähen still
sitzen
auf feinen Linien
im Gegenlicht
bewegungslos
wie die aus Blech –
Zeichnung in Tusche

Ein kleiner Nebel
meint dem Bild Zärtlichkeit
die Konturen weich
die Farbe nachtblau

Ein rabaukiger Hubschrauber
fliegt Streife
elf Krähen erheben sich
auf
davon