Lesungstext: Understanding Francesco Schettino

(KOLLEKTIVTEXT)

Gerhard
Ein Leb sich nicht auf leben reimt.
Dein Leb? Mein Leb? Unser Leb?
Eine Idee. Vom Anfang bis zum Ende:
Plattitüden. Wimpernschläge zwischen
Ewigkeiten. Alles dreht und verschwimmt.
Ich renn los! Du rennst los. Rennt bloß los!

Susanne
Wer wob Worte
falsch wob Ruch?
Verrucht der Bruch am
Vers im Buch!
Unmut Unwucht!
Fluch dem Betrug am
Vers im Buch Bruch
Am Wort ruchloser
Vers Fluch ver- flucht!

Ralf-Rainer
Ja da dreht man sich um, da kann man straflos rückwärts schauen Verzierung genießen, eingreifen und ändern gar, da kann man Verstehen sich gefallen lassen, ein zarter Schwindel wie von gutem Koks am Morgen weit entfernt und ohne Gefahr in Girlanden zu ersticken.

Gudrun
Worte brechen in Stücke
Bruchstücke aus Lettern
Bruchstücke aus Wortbruch
bauen neue Worte.

Andreas
Annas Blümchen seufzte tief,
rudi ment er dicht, beschlief.
Turm im rudimenten Schrei,
Annas Blume, Lorelei.
(HEIMAT)
Roswitha
Ewig die Suche nach Graf Zuhause
Getrieben über Zäune und Grenzen
Verschieben von Land und Gezeiten
Befestigung von schwankenden Planken
Land so alt so Emigrant

Susanne
Die Straßen sind wie aufgemalt, die Häuser
geben sich keine Mühe, sind einfach Häuser

Gerhard
Am Rande reckt sich die alte Tanne zum
Matten Licht. Von der Wucht des satten
Grüns über benachbarten Gruften bedeckt,
Verlor sie das Strahlen der Sonne.

Kein Weg führt zu ihm, den ich kannte.
Betreten verboten markiert die stummen Reihen.
Dort eine wächserne Rose mit drahtigem Stiel,
Von den Wächtern des Todes übersehen.

Jemand zeigt mir den Ort. Da sollte er liegen.
Nach Vorschrift in seinem kalten Gefäß. Der
Künstler eines prallen Lebens. Vergangen.

Ich kann ihn nicht mehr erreichen. „Cafeteria
Am Friedhof“. Einkehr mit hängenden Schultern.
Ein Milchkaffee. Er hätte Bier getrunken.

Nachmittags. Kuchen? Die schwarze Lady
Gähnt. Nichts Süßes. Und schleicht davon. .
Die Zeit steht still. Verlorene Heimat.

RR
Heimat 1 bis 4
meine erste Heimat
war ein Armvoll schöner Steine
rechts vom Außenlager
meine zweite
war ein Sack Kastanien
bekam vier Groschen dafür
die dritte Heimat
war das Zentrum der Welt
aus dem ich vertrieben wurde
die vierte
die längste
kann ohne mich

Roswitha
Ewig die Suche nach Graf Zuhause
Getrieben über Zäune und Grenzen
Verschieben von Land und Gezeiten
Befestigung von schwankenden Planken
Land so alt so Emigrant

Gudrun
Heimaten
werden im Kriege ausgeteilt
Fliehende haben dann mehrere
eine gottgegebene, die hatte
Vogelbeerbäume zwölf Häuser
im Dorf, garstigen Wind auf der Höhe
meine Mutter hatte so eine
Heimatvertriebenene sei sie
so sagte sie, lebte das bis zum Tod
Anwurzeln undenkbar doch und so
undankbar von der neuen Generation
Gefühle und Bäume wurzeln tieffest
ein Bauer Bäume verpflanzt nie

Politik merci

angekommen aus der Ferne
stehlen Arbeit und alles die
Platz zusätzlicher Aufwand
Heimat erleben kaum möglich für die
Heimat braucht offene Arme

same old story – andere Farbe – gestern

Susanne
Im Näherkommen – du bleibst stehn:
Das Haus die Räume früher,
vieles gerostet, schwer hängt
die Tür den Weg versperrend.
Die Blumenkästen halb ent-
leert, nur Reste müde weggedorrt.

Alles geschrumpft vor deinen Augen.
Und Möbel Bänke quer gerückt
begegnen ungelenk wie falsch geordnet.
Ein abgestandner Alltag färbt
die Luft mit Staub. Kein Duft
grüßt mit Erinnerung aus alter Zeit.

Der Hund, die Kinder größer jetzt
von einst und ernst geworden,
schnell verstummt und ohne Blick,
sie wenden sich von dir so fremd.

Nur Kälte Augen grau und leer,
das Wiederkennen knapp, kein Gruß
von ungefähr kein Lächeln, Stille nur,
sie lastet schwer wie Stein. Und
drängt.Und gehst du ohne Wiederkehr.

Roswitha
Es dauert bis die Sterne über Haus und Himmel
dieselben sind wie sie eine Straße weiter leuchten.
Eingewöhnen nennt es das Herz.
Es dauert bis das Kind seine Förmchen
erkennt und mit anderen spielt.
Erziehung Sandkastenspiele.
… bis man die Kirschen an Nachbars Bäumen läßt.
Aus Verlangen nach Land Liebe und Mehr
die Gier fällt über Tröstliches her.

Es dauert bis man wieder nach Hause will
zurück zu früheren Zeiten
Formationen vertrauter Bäume Gebäude
und Freunde sucht und scheitert
Gerüche von Glück Schutz im Schilde gewärmt
Abenteuer wie Stachelbeermus reife Haut
geplatzt gestreut ins Niemandsland.

Flaum Weidenkätzchenbaum
streicht im Märzenwind dein Haar
so dünn unnahbare
Pracht der Wickler Eiskonfekt
durch Hitze und Sand Heimat
getriebene durch Nadelöhr ein Kamel
durchtränkt von Gesang Tränen
über Verlorenes und deren Wiederkehr
Luftspiegelung über Gobi

RR
Es ist nicht genug
wenn sich mein Haus
hinter Bäumen versteckt
neu grün getüncht

Licht, wenn das Licht
ohne das notwendige Blau
von schräg hinten
allen Einblick gewährt
Die Wälle widersetzen
sich den Farben
und ich hatte das Radio
nicht ausgeschaltet

So kamst du
und riefst laut
verschiedene Namen
bis ich gemeint war
Also, ich bleibe hier
ich mach mir noch
eine Laguneund auch ein Plateau

Die Zeit verändert
das Bild allein
ich bleibe einfach sitzen
schalte leise das Licht
ein und aus
beschwöre das Grün zu bleiben
und verzichte auf die Musik
die mich verraten hat
und auf meinen Namen

Roswitha
So rot dein Tod so weich dein Haar
entzücken schmücken rote Wicken
mein Beingeschmeide auf Altar
Komm wir gehen zum Basar
und kaufen uns ein Dromedar
mit spektakelrotem Haar

Andreas
selber Süppchen sein jeder kocht
Feuer, Wasser, Geistesjoch
Rede flüssig Wirkung weise
Magenwärmer diene Bauch
Schwein das raucht
dörres Obst verbraucht.

Susanne
Kleingeredet. Alles. Vor anderen,
Bettgeflüster. Ihre Blicke
nerzumflort. An Oktober
roten Höhen. Dort lagern sie,
nebelhaft umrissen,
sie singen ihre Hormone
im Schmerzhaus der Unlust.

Mache dich auf, lege deine
Arme um sie. Im frisch-
blühenden Morgentau spiegeln
die Sterne. Am Wendekreis
der Erstgeborenen: Sprechstunde
geschlossen. Halt ein die Furcht-
Blase und lass sie klein
reden. Zögere nicht. Gehe über Los.

RR
nicht jeder Mensch
der seine Richtung plötzlich wechselt
ist auf der Flucht

seine Gegenwart ist vielleicht so knapp
bemessen, daß
daß er sich dauernd verletzt oder

er selbst ist Verletzer und steht
unter Zwang
jeden Tag etwas kaufen zu müssen

Gudrun
Für mich ist das Licht von Bedeutung
das mit uneingeschränkter Helligkeit
auf seinen Weg strahlt

und auf die Spuren im Zucker ellenhoch
während seines
Einkaufs auf seinen Boden gestreut

Zucker Watte für Verletzte Verletzer
im Zucker taufen Leben kaufen
für den Käufer eine Nachtmelodie

Gerhard
Ein rechter Dichter drückt in seiner Tonne.
Ein Linker hat sich im Gestrüpp verfangen.
Der Leser sieht es mit gewollter Wonne
als wären ihm die Lichter ausgegangen.

RR
Es macht einfach schlechte Laune
hier zu liegen, mir und
Passanten, die eventuell einen Blick
werfen. Wortlos drücke ich Geschichten
aus zur Rechtfertigung. Sie sind
voller Tippfehler, wie Heimat, Heirat oder
Tomatenernte und um Schlimmeres
zu vermeiden, nicke ich
Zustimmung seitwärts.

Gudrun
Ich werde euch
Auf kleiner Flamme kochen
Einfach nur mit Wasser kochen!
Dann sorgfältig ausbeinen
Ich werde euch Schaum unterheben
Vorher eine Farce machen
Durchkneten bis zur Integrität
Endlich gehen lassen
Bis ihr durchgezogen seid
Zähes Fleisch braucht viel Liebe
Vorher bigarrieren und ficillieren
Abgeschmeckt wird nach gusto

RR
Zielkochen. Daneben kochen.
Selbstbestimmt abkochen.
Knochen kochen.
Garen und warten, und warten…

Andreas
Saßen beisammen, dem Streitlerchenpferch,
Wortleicheföhnen, Saucieresoufleuse,
Gerippe Reimstuhl, Schwielen vom Zwerch,
foliante barfuss, katherfrisös
Metapher, Kadaver quer, kapriziös.

Roswitha
Retrorotes Radieschen
küsst mein fleißiges Lieschen
auf den himbeerroten Mund.
Nacktschnecken kommen in Scharen
wollen sich dort paaren
wo Kirschsaftrot aus Bäumen quillt.
Geranien und Buschrosen
wollten sich liebkosen
doch der Förster aus dem Wald
verbot das rote Spiel gar bald.

Andreas
Annas Blümchen seufzte tief,
rudi ment er dicht, beschlief.
Turm im rudimenten Schrei,
Annas Blume, Lorelei

Gerhard
Der tote maulwurf in rückenlage
erlöst von untergründiger mühsaal
der igel im brunnen auf dem weg in
den winterschlaf Du alte silberpapel
ortsbekannte schönheit der straße
mein bild ist randvoll mit gelbem raps.
randvoll!

Susanne
Verlispelt du Englein
Hörst dem Herzen mit
Flatterst die Flügelchen
Verklärst frohes Locken
In Süße und Wonne
Voll Freude preislobe
So goldig rauschest
Vom Himmel hoch her
Mit andern du jauchzest
Ums Bette mir treu
Äuglein in Unschuld
Brav Kindlein mein brav
Herznackedei süß
Gehorsame mein
Mein immer dar
Mir allein.

RR
Jetzt sammel ich blaue Flecken
wenn ich durch mein Zimmer geh.

Gudrun
Er sieht so müde aus
auf dem Mäuerchen
graufurchig wie der Weg
neben dem Haus
abwesend
schüttelt er den Kopf
nur zu sich selbst
Er betrachtet
seine staubigen Schuhe
Ein Blatt liegt darauf
Er öffnet den obersten Knopf
an seinem Hemd
Er kann nicht atmen
seit langem schon nicht
Sie ist gegangen
seit langem schon
Er hat sie nicht gesucht
wenn sie es ist die geht
Niemand sieht ihn
nur ich aus der Ferne
So hat er sich das
nicht vorgestellt

RR
Ich sammel blaue Flecken
wenn ich durch mein Zimmer geh.

Roswitha
Die Stille blaue Stunde
läßt mich mit dem Tage sterben
läßt silberne Sichel
vom schwärzenden Himmel fallen
Wellen von Wermut schlagen
auf meinen Stahl
deinen Hals zu greifen
ich falle steige
schriller Ton im Ohr verstummt
gehörnter Traum
Gelegenheiten
verloren zwischen Tag und Nacht

RR
Ich sammel blaue Flecken
wenn ich durch mein Zimmer geh.

Roswitha
Trieb früh mein Spiel mit dir
bedruckt leicht verfügbar
flog ich auf deiner Wiese dahin
schrieb was ich nicht sagen konnte
bleibst wenn alle gehen
duldend in Geselligkeit

Susanne
Die Straßen sind wie aufgemalt, die Häuser
geben sich keine Mühe, sind einfach Häuser,
der schäbige Himmel hängt wie immer.

Gudrun
Weiß
weißer
am weißesten
noch weißer
augenschmerzweiß
was’n scheiß   so weiß

Gerhard
Und später rot, nach der Besichtigung des
strahlenden Sonnenuntergangs vom
Balkon des Stadthauses in Berlin-Mitte,
gab es blutige Steaks vom Grill mit
Blaukraut, dazu Merlot von Leo Müller
„kennst du doch, oder?“
den sie extra für ihn besorgt habe, sagte
sie, als sie in ihrem roten Negligee aus
dem Bad kam und dass sie den Wein
auch im Bett trinken könnten,
wo er später die verwaschenen Rotwein-
flecken auf seinem Laken im Licht der
aufgehenden Sonne betrachtete
(sie war eingeschlafen),
danach aufstand, sich die Füße zerschnitt,
als er barfuß aus der fremden Wohnung
schlich und das volle Glas übersah, das
sie ihm in den Weg gestellt hatte.

Roswitha
Retrorotes Radieschen
küsst mein fleißiges Lieschen
auf den himbeerroten Mund.
Nacktschnecken kommen in Scharen
wollen sich dort paaren
wo Kirschsaftrot aus Bäumen quillt.
Geranien und Buschrosen
wollten sich liebkosen
doch der Förster aus dem Wald
verbot das rote Spiel gar bald

RR
Ich habe heute Kasse gemacht, dann die
gebrauchten Teile abgeladen, heikel
das Passieren der Posten
die Hallen platzen mit Leergut
niemand bereit die Tarife zu zahlen
die Mitläufer drehen ab
heimliches Valuta zählen, mit
verlängertem Leben spekulieren
Blut war jetzt Bares
Da standen drei noch brauchbare Stühle
Finanziert und durchgerutscht
niemand wollte sich setzen,
Angst und Statistik, same shit
abgehauen, in Preungesheim heimlich
Gebrauchtwagen aufgekauft.
Dann gab es Freibier, Lachen
und Winken und die Gewissheit
Jetzt ist Jeder finanzierbar.

Gudrun
Er sieht so müde aus
auf dem Mäuerchen
graufurchig wie der Weg
neben dem Haus
abwesend
schüttelt er den Kopf
nur zu sich selbst
Er betrachtet
seine staubigen Schuhe
Ein Blatt liegt darauf
Er öffnet den obersten Knopf
an seinem Hemd
Er kann nicht atmen
seit langem schon nicht
Sie ist gegangen
seit langem schon

Susanne
Andrea Pirlo zum Beispiel. Ein Fuß
Ballheld. Ein Mann in Siegerpose.
Kaltnadelgesicht, Nase schroff, Kinn
kantige Wucht, Augen schmal gezerrt,
aufgesteilt die Stirnlocke, es springt der
Adamsapfel. Arme fliegen, Sieger
Fäuste geballt zum Schrei, grausam
die Zähne gebleckt, beißen die Luft.
Kampfes Wut. Eintritt in die Arena zur
Schlacht, um Ehre, um Geschlechter,
Angst breitend, Mimik voller Hass
gegen jedermann. Gebrüll aus harter
Kehle, Leben, Mensch und Tier, die
haben keinen Preis. Nichts als Sieg.
Unerbittlich. Andrea Pirlo zum Beispiel.
Ein Fuß, ein Bein und dann hinein.

Gerhard
Ich bin ein Hund, der Ball ist rund. Da ist ein Mann.
Wann schießt er dann? Er glotzt mich an. Ich kann’s
nicht fassen. Auf was hab ich mich eingelassen?
Das kann doch nicht so schwer sein. Ein Fuß, ein
Bein und dann hinein. Ich sollte einmal bellen. Ihm
sein Gehirn erhellen. Wenn ich schon mal mit
Menschen spiele, ist Ruhe vor dem Kampanile.

So läutet schon, ihr Glocken. Soll ich hier ewig hocken?
Wie hatte er sich vorgestellt? Andrea Pirlo heißt der Held?!
So schöne Flanken konnt‘ er schießen. Das war doch immer
zum genießen. Und jetzt geht überhaupt nichts mehr?
Auch mit nem Hund ist es zu schwer? Na Alter, dann geh,
trott nach Haus. Ein letztes Mal spend ich Applaus.

***

Roswitha
Ewig Liebe   ewig vino
mein dein sein
im Menschenkino
Sing ich weiter auf `ner Leiter
klopf ans Fenster
stimm´ dich heiter
bin ein Zuckerstangenreiter

komm herein zu Brot und Wein
erzähl Geschichten
frage wage   Engel im Dunkel
lacht fürs dichten

Chrysanthemen-November
Monster im Gesicht rotes Licht
trifft auf Münder Land hoch Land runter
beweg dich nicht

Denke nicht an Bruder Krieg
Schmerzen Herz Stadt Schlamm Geschrei
mach dich frei
eins zwei drei
mein   dein
laß mich Moslem- Christ- Tarzan sein

vier fünf sieben
Liebe will lieben
ich bin ein Vogel
ich will fliegen

Gudrun
reime braucht man schon beim rappen
mit dem versehammer dreschen
reimer auf die wörter ein
narrenkappen überlappen
bauen poesieattrappen
keine knebelketten
für die wörterhappen
hämmern auf die hörer los
das ist richtig das ist falsch
keine edle sprache bloß

rapper rappt aus frust und rache
nimmt gesellschaft in die mache
blut ist keine nebensache

fundamentalisch saur’ sauce
misogyn kaut vollneurose
mütter auf der wolke rose
drogen schimpf und schande
underground sex mit gewalt
ist rap wirklich dergestalt?

rapper rappt aus frust und rache
nimmt gesellschaft in die mache
blut ist keine nebensachesaubre braten

rümpfen nase schütteln köpfe
schauen gern in fremde töpfe
zahlen gut für sensationen
einzureißender bastionen
lyrikgruppen lauter diven
dichten mit akkusativen
schönheit sterne blumenwiesen
frischgewaschen im gewissen
scheuerpulver aufputzlappen
sich doch nie ein wappen schnappen

rapper rappt aus frust und rache
nimmt gesellschaft in die mache
blut ist keine nebensache

schlappen werden rausgeschrieen
wo bleibt der willkommensgruß
leere taschen keine schränke
falsche farbe falsche sprache
blutvoll eine rote lache

RR
I love you – I know
ich lebe hier im Gewerbegebiet
alles Menschen ohne Kinder – Arbeitnehmer ohne Lieder
seit Jahren schon und heute wieder – verrenkt, beschränkt und ziemlich bieder
warte, gleich komm ich in den Flow
du sagst, I love you – ich sag, I know

was willst du machen – die Leute finden’s zum Lachen
in einer Beziehung? – es ist kompliziert
halt dich fest – es gibt diese Verrenkung – Unwissenheit
die man verliert – Vorwürfe aus der Versenkung – Verse
knapp vorm Ende variiert – ausgelatschte Sätze nur zitiert
warte, gleich komm ich in den Flow
du sagst, I love you – ich sag, I know

dann ist da noch die Sache mit der Freiheit – ich bin bereit
ganz ohne Neid – zu zweit warten auf Gelegenheit
Arbeitnehmer im Gewerbegebiet – ganz ohne Lieder
und ohne Kredit – das kanns doch nicht gewesen sein
das macht mich nieder – mein Leben war noch niemals besenrein
hör auf meinen Reim – von wegen des Unterhalts
reimte ich auf Stein und Bein – mal mehr, mal weniger allenfalls                                           Arbeitnehmer ohne Lieder – Menschen ohne Kinder

und die Verhältnisse morbider
du kommst auch noch in den Flow
Ich sag, I love you – du sagst, I know

www.in-einer-Beziehung.de – es ist kompliziert
wenn es die Lügen gebiert – die bittren Tropfen im Tee
noch spiegelt sich der Mond im feuchten Kaffeesatz
für mich nur Stuhl – für dich schon Platz
du siehst die Zukunft – ich soll sie leiken – versprechen
und verzählen – danke für das doppelzüngige Icon
du bist schon sehr intim in diesem Flow
ich sag, I love you – du sagst, I know

Melancholie im Gewerbegebiet – Arbeitnehmer ohne Lieder
Coolness kriecht mir in die Glieder – und mir fehlt der Appetit
Energie und Glaubenssatz – schmücke mich mit dein’m Gefieder                                                   singe stumme Lieder zum Ersatz – wir bleiben versteckt
im Nirgendwo – 100 pro inkognito
nur du und ich und unser Flow
du singst, I love you – ich sing, I know

Gerd
1
Eins, zwei, drei und so bis sieben
Wo war denn mein Kind geblieben?
Vor langer Zeit ging es verloren
Das Gedächtnis … eingefrohren.
2 Wollte neue Reime spinnen
Auf mein Leben mich besinnen
Träumte viel und dachte nach
Texte waren eher schwach.
3 Dann wars plötzlich war wieder da
Und schaut mich an und fragt „Papa?“
Es meinte doch nicht etwa mich?
Schon setzt es sich: mein Über-Ich.
4 Erzählt mir von den frühen Sachen
Die mir fast den Nacken brachen
Von den Schlägen und dem Klo
Von der Krankheit und dem Floh.
5 Von der ganzen andren Scheiße:
Zum Beispiel diese Kinderspeise.
Man hatte alles aufzuessen.
Gern hätt ich meine Qual vergessen.
6 Hat die Erfahrung mir genutzt?
Wurde ich zu Recht gestutzt?
Man hat mich wirklich eingezwängt
Gehorsam habe ich’s verdrängt.
7 Was solle es nun darauf sagen?
Ich könnte doch die Alten fragen
Die wüssten sicherlich Bescheid.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

RR
Ewigkeit führt zur Gewissheit wie Wahrheit zur Schönheit.
Die Wahrheit drückt wie stehendes Gewitter, wie unbestellte
Lebenszeit

Susanne
Hier in dieser Festeshalle, eng
gefüllt mit Herrlichkeiten.
Sie steht erstarrt. Fest
genagelt. Gefühl, Verstand
im Rausch, Gedankenkreise
verworren, finden keinen sichren
Ort, kein Anker hier, zur Hilfe
festgezogen. Gebannt die
Augen, nur in seine
Richtung. Edel gereckt die
starke Brust aus Marmor, sie strebt
in Zukunft, starker
Rücken, Halt für ihre
Schwäche, die Schultern
breit, ein Schirm und Schutz
dem Feind, dem Bösen.
Und dieser Blick in
weite Zeiten, und Kinn
und Stirn gerade, klar,
herrisch in Güte und Gerechtigkeit.
Und die Gestalt! Herrlich
gebaut, auf wohlgeformten
Beinen – und sein Geschlecht!
Sie friert. Nur weg! Ein scheuer
Blick in seine Augen, gerad gerichtet,
meint er wirklich sie?

Ihr Atem stickig ausgestoßen,
er fleht um Ruhe. Ihr Innres
wirrt, vibriert. Alles
wird schwarz, die Stille
sucht sie, zum Atem
Schöpfen, zum Sterben
schön in Liebe. Sie sinkt
herab zum glatten
Marmorboden, der
kühl und trocken
sie empfängt und
ihre süßen Träume wiegt
still in Zurückgezogenheit.

RR
Wahrheit ist ein persönlicher Befund
zu schwer fürs einzelne Leben. So
gebiert Wahrheit Geschwüre im Abstand
zur Gewissheit von Schönheit

Susanne
… in Blau, in schmutzigem Blau
unordentlich ausgebeult, über-
all Wülste, hängt sie ihr
ausgeleiert tief über das
breite Gesäß, sie baumelt schlaff
in die Kniekehlen, die
schlabrigen Falten fallen
weit über ihre Füße. So steht
sie dort, leicht nach vorn
gebeugt in ihrer blauen
Trainingshose

Roswitha
Das Hälschen windet sich nach
links nach rechts im Kreis herum
wiedibumm rum rum
es wird gehämmert gespachtelt
verschachtelt verachtelt
mit Sächte gemächtelt
Schneller Blick nach allen Seiten
welcher Baum welcher Traum
wo soll ich bleiben
braun gedeckt am Holze
sing ich gerne fremde Lieder
bin ich bieder
wende für dich mein Gefieder
Kleiner Vogel bin ich
hacke für dich hoch und nieder
– Pass auf deine Augen auf!

Gerhard
Ein rechter Dichter drückt in seiner Tonne.
Ein Linker hat sich im Gestrüpp verfangen.
Der Leser sieht es mit gewollter Wonne
als wären ihm die Lichter ausgegangen.

Gudrun
Da frag ich mich nun doch w o z u
brauch ich die goldnen Locken noch?
… oder wär ich besser dran / mit einer neuen Hüfte aus Titan
zum 18-fachen Satz
eine neue Hüfte ist einem
Rollstuhl überlegen / Locken sind um Strahlkraft schnell verlegen
Implantate Brillen Verstärker in den Ohren Gleitmittel intim Wärmekuren
Diäten Medikamente Laudatoren / für die junggebliebenen Toren

was sind denn bloß die Alterssünden
die wie man sagt offenbar wahr
Sünden für die Alten sich zeigen im TV / wie möcht ich die gestalten
ich muss da mit Experten üben
oder sollt ich auch noch Locken putzen
denn selbst mit siebzig
lässt sich locken
die maskuline peer group
einfach sov
om Blond in Locken

v e r d a m m t das ist mir jetzt so rausgerutscht / die Wahrheit schon so ausgelutscht
wo bleibt die Poesie
das Gefühl für Sprache Metrik
und so gewöhnliches Vokabular     banale Füllwörter
könnt ich mich doch konzentrieren / und dies ständige Wörterverlieren
Verschwörer
e s m u s s a m A l t e r l i e g e n
das kann ja heiter werden
müde Glieder lichte Stellen schwache Blasen taube Ohren / weiter will ich da nicht bohren

als Generationenübergreifende sagt man
hätte ich so viel Erfahrung
und wäre so weise
und dankbar sollte ich sein
für jeden zusätzlichen kräftezerrüttenden Tag / doch wieder und wieder ich mich plag

n e e   n e e   e s   t u t   s c h o n   w e h
man muss glaube ich
die Ansprüche immer tiefer fallen lassen
bis sie sich unter das Sofa trollen
da kann ich
Gott sei gedankt nicht dran / meine Dorota findet sie dann

Umstrukturierungsmaßnahmen
neue Werte neuer Sinn / … Siegerin
vielleicht kann ich das Gedicht
der „Bäckerblume“ verkaufen
oder der Forschung
dann lade ich zur Feier
eine heiße freie Spezies
schüttergrau in den Locken
Olé!

Ageing ist ein weites Feld
sentimental gnadenlos / wie ertrage ich das bloß
so kurz vor dem Tod
ich kann gar nicht alles unterbringen
in so wenig Zeit
vom Schuhe Anziehen mal ganz abgesehen
so kurz vor dem Tod
ich wollte noch nach Japan reisen
und jetzt möcht ich das noch alles verdichten
so kurz vor –
ach das habe ich ja schon gesagt

ob mich eine soziologische Analyse weiter gebracht hätte
ich muss da Experten fragen
wie immer ich fange mit Habermas an
und dann einfach nur dichten / so wie die einfachen Dinge verrichten
dennoch ich hätte so gerne
eine umfassende Weltsicht erlangt
verstehend im Sarg
wozu ich gelebt
glaubt bloß nicht
das wäre die Religion   /   der letzte Schrei nach Absolution

vielleicht mach` ich es doch
wie die Leute im Süden
auf einem Stuhl vor der Tür meditieren / blinzelnd ins Jenseits stieren
im Schatten oder in der Sonne
dazu brauche ich dann viele Flaschen Wein
schließlich kann man sich auch
den Durchblick ertrinken

am Rande möcht ich Euch noch erzählen
dass mein genialer Schwager 84
gerade im Augenblick
von einer Erbschleicherin
um sein Vermögen gebracht wird
und dass Freund Hans aus Australien 77
seine Schuhe verleugnet
die er voriges Jahr hier abgestellt hat
und dass Tante Rosel 88 nach einem Schlaganfall ihren Haushalt nicht mehr schafft
Olé !

Gerhard
In Erinnerung an schwatzende Tage und Nächte
und wir das Grauen im Aquarium lernten, über
Stock und Stein stolpernd dem Himmel einen
Spalt breit näherkamen und die Flugzeuge im
Bauch auf dem Weg von Osten den Bunker
streiften, in dem wir Zuflucht gesucht hatten.

Die Türe zur Küche hatte sich mit einem leisen
Hauch geöffnet und ich hörte das Stöhnen der
Frau im Angesicht der Menschen auf der matten
Scheibe des fremden Geräts, wie sie ihre klebrigen
Netze spannten und mit ihren Puppengesichtern
wie Meißner Porzellan vergeblich Beifall heischend

in das Zimmer starrten und zählten auf uns. Kriege
und Seuchen ergossen sich über das Publikum und
die Lawine gefror steinhart. Die alte Spitzhacke
erzeugte einen Ton, der wie aus der Zukunft kam.
In meinen tauben Ohren klingt mein Herz.
Erinnert sich an all das, was noch werden wird.

Roswitha
Risiko für Francesco
das Auf- und Zuknöpfen der Wäsche ist es
was die älteren Damen und Herren so langweilt
zu Gesellschaftspielen amore e mare mit Francesco
auf hohe See zu Wellen mit Supermercato treibt.
Es ist ein Risiko zum Arzt zu geh’n der Vergänglichkeit
ins Aug‘ zu seh’n.
Es ist ein Risiko bei Katz‘ und Wein allein
zu zweit zuhause zu bleiben zu streiten,
denn der Schlag des Herzens könnte ein letzter sein.

Von modernen Piraten golden geknöpft zum Essen geleitet
lasse den Blick vom Kolosse ins Schwarze entfernte Tiefen gleiten,
ohne Angst, was kostet die Welt – ich kann ja nicht schwimmen –
dank Costa Costa Capitano und Mannschaft billig bestellt.
Knapp die Route – groß die Gier – Profit für alle –
das Riff ganz nah, zu nah die Heimat
Sirenen betören das Seemannsheer.

Die Seelen verloren mit Mann und Maus – wie kommen die Menschen
aus Wasser Not Nacht der Verdammnis heraus.
Es ist ein Risiko Freibeutern der Meere zu trauen Helden der Angst
unter Segeln von Billigtarifen.
der Kapitän als letzter vom Schiff war ein Mythos ohne Boot
vor Bankers Pleiten
Dirigenten von Wagnis vor Schettino Scheletros Zeiten.

Gudrun
Unser Francesco, ein Bild in Öl
weiße Uniform auf Bräune gespannt
geölte schwarze Locken, öliger Außenhautglanz
leichtschürzig rafft er sein Leben zusammen
landet stolpernd im Rettungsboot
ein dressman vergisst zu führen sein Schiff
auf dem Riff kein Manager Knowhow
innerlich verrutscht ist er, der Kapitän
vergnüglich umschlängelt ein Frauenbein
olivig liebt er Oliven
Italien, Sehnsuchtsort, Lustconi Bettino
goldene Tressen erleuchten das tyrrhenische Meer
umher spült spielend es Menschenleben
— ertrinken eben.

Gerhard
Ich tanze den RAP. Ich bin doch kein Depp.
Und dreh mit dem Ring. Ich werde ein King.
Im großen Geschäft wird das Segel gerefft.

Mein Boot gleitet leise auf trockenes Land.
Auf felsiger Reede liegt es dann brav.
So geben sie artig das Ihre im Schlaf.
Dreitausend Rentner können nicht irren.
Sie geben mir gerne, dem Herrscher der Meere.
Jetzt nur noch die Bullen und Rettung verwirren.

Was schert mich der Quatsch von Gesetzen und Ehre.
Ich werd die Geschäfte des Ringes besorgen.
Sie werden mir dafür mein Spielgeld gern borgen.
Die edlen Paten sind nette Leute.
Ich mach im Casino fette Beute.

Dann tanz ich nich RAP. Ich bin doch kein Depp.
Ich schnapp mir die Braut und entfliehe dem Nepp.

RR
CAPITANO COMANDANTE
Ich habe doch nichts getan, sagt der Kapitän und krümmt sich in der Absicht, weniger sichtbar zu sein. Ist es die Sichel des Mondes oder ein italienischer Beleuchtungskörper, der die Metamorphose so sichtbar, still und übergangslos herbeiführt?

Domenica let’s swap Klamotten – es ist rutschig hier zur Zeit
vier tausend Rentner sind am hotten – und auch ich bin ziemlich breit
Domenica, wir lassen uns fallen – im Augenblick der Gefahr
glaube mir, das gönn ich allen – Kreuzfahrers Rettung ist ganz nah

Man sah jetzt etwas fleischig Gekrümmtes, ungeschützt, wehrlos. Ein im Atemrhythmus sich sanft bewegender hautfarbener Klumpen, der stumm nach einer Hand verlangt. Es ist doch nichts dabei! Still halten, die Hand. Nur anfassen. Anfassen: Wärme, eine kleine Wärme, sechsunddreißig Grad.

Ein Manöver der guten Laune – ein Spiel mit Sonnenbrille in der Nacht
Capitano Comandante – Zweiunddreißig ums Leben gebracht

Ich habe doch nichts getan, stammelte der Kapitän immer wieder. Die Ahnung, das Wahrscheinliche, wird Zug um Zug wirklich, hier in der schattenlos ausgeleuchteten Kälte der Havarie. Das Denken wird zäh, wie ein ausgespucktes Kaugummi, angesichts der kippende Stahlschüssel. Visionen von Stil, Mode und Disziplin, Arbeit und Schönheit, Führertum und Selbstverleugnung. Und die See öffnet träge ihre Ab-gründe, oh Domenica. Und wir sind im Rhythmus. Ich habe wirklich nichts getan, flüstert jetzt der Kapitän. Im Fallen scheint er tatsächlich kleiner zu werden, ein in sich gekrümmter Plasmasack, ein Lurch, ein eleganter Einzeller, identitätsberaubt auf der sicheren Seite, inmitten des Geschreis.

Domenica lets swap Klamotten – es ist rutschig hier zur Zeit
vier tausend Rentner sind am hotten – und auch ich bin ziemlich breit
Domenica, wir lassen uns fallen – im Augenblick der Gefahr
glaube mir, das gönn ich allen – Kreuzfahrers Rettung ist ganz nah
Ein Manöver der guten Laune – ein Spiel mit Sonnenbrille in der Nacht
Capitano Comandante – Zweiunddreißig ums Leben gebracht

Nasse Dunkelheit, wunde Stille. Rufe von Engeln und ihren Betreuern. Die Stille zwischen Rettern und Rettungslosen. Ich habe doch nichts getan, flüstert der Kapitän, und in seine Stimme dringt sanfte Zuversicht. Ein rosawarmes, pulsierendes Etwas, das eine Hand spüren will. Anfassen, anfassen, bitte anfassen, anfassen …

Susanne
Francesco Schettino, Held der Meere
Ich große Mann mit viel Bedeutung, das steht klar in jede Zeitung,
bin ein Mann mit Extraklasse, Capitano Groß-Barkasse.
Bin für alle Caporale mit höchste Anspruch auf morale.
Immer war Demokraticus und niemals nie Schwachmatikus.
Ich bin gereist durch alle Meere, und niemand tat sich je beschwere.
Niemalen scheu ich Risiko, dann stimmt auch mein Portfolio.
Bin echt die Schwarm von viele donne, mir geben Bungabungawonne.
Drum lieb ich alle schöne Fraue, ob bionda, bruni oder graue.
Doch eines Nachts gab große Drama mit diese biond Moldawiendama.
Ist dunkel Nacht nix Mond scheint helle, es braust das Meer und brüllt wie Hölle.Ich steh groß Kapitan auf Brücke, die bionda tut sich an mich drücke,
als wolle die mich gleich entführe oder gar unsittlich berühre.
Die quiekt und stöhnt wie Angst und Not und zerrt mich rein ins Vorderboot.
Befehl ich:“Alle Kraft voraus!“ Da tuts ein Rumms, Leben ist aus.
Und großes Schiff bohrt tief und tiefer, es neigt sich steil, liegt immer schiefer.
Es brauste laut sehr furchtbar Stormi , dann entstand Hektik ganz enormi.
Erkenn ich schweres Todesnot, spring über Reling hupps ins Boot.
Muss ich doch Last für alle trage. Ich kaltes Wasser nix ertrage.
Dass sterbe müsse so viel Leut, das hat mir viele Nacht gereut.
Und alle schreie, meine Schulde, doch platzt mir da meine Gedulde
und ich werd es nix vergesse, dass die Press` mir schlagt in Fresse.
Und all Papiere mir genomme und ich nix mehr mein Lohn bekomme.
Der Staat soll zahle auf mein Konto Schmerzensgeld und extra pronto.
Immer verspür ich tief tristezza für die gesunkene grandezza.
Ich sink auf Kniee ganz ergriff`, ich bet` für Tote von die Schiff.

Roswitha
Ewig die Suche nach Graf Zuhause
Getrieben über Zäune und Grenzen
Verschieben von Land und Gezeiten
Befestigung von schwankenden Planken
Land so alt so Emigrant

Gudrun
Worte brechen in Stücke
Bruchstücke aus Lettern
Bruchstücke aus Wortbruch
bauen neue Worte

Gerhard
Ein Leb sich nicht auf leben reimt.
Dein Leb? Mein Leb? Unser Leb?
Eine Idee. Vom Anfang bis zum Ende:
Plattitüden. Wimpernschläge zwischen
Ewigkeiten. Alles dreht und verschwimmt.
Ich renn los! Du rennst los. Rennt bloß los!