Mahlzeit im Bankenviertel

Die Fahrstuhltüren öffnen sich, die Trauer
Gemeinde gibt sich das tägliche Geleit.
Unten angekommen entlädt sich die Fuhre
in die Empfangskathedrale. Hier noch mehr
bitteres Schwarz, anschwellend aus den
zwölf Aufzügen, mit grauem Halbtraueranteil.

„Mahlzeit“, die Laute jetzt erwartungsvoller.
Giggeln. Die in Röcken, schwarz über hohen
Leggins, heben die blassen Gesichter zu Käpt’n
Ahab, der immer neue Wunden in die Flanke
des Wals stößt. Die in schwarzen Einreihern
lächeln müde wissend. Grüße und Winken,
gebührendes Lachen, Zwinkern und der Griff
zum Hals, Lockern des Kragens. „Mahlzeit.“

Im tempelhohen Beinhaus besänftigt
die zwölf Meter hohe Drahtkalie das
agonieweite Auge des Wals, entlässt das
Trauergewimmel in Häufchen in die Ess-
Stuben. Drei Empfangskräfte verharren,
zeigen vertragsgerecht nur ihre Stirn
über der marmornen Sarkophagkante.

Das Friedhofspanorama wiederbelebt sich
nach nur einer Stunde. Jetzt strömen verviel-
fältigt die ungebeugt Trauernden gesättigt
durch die drei hohen Glastüren, gesteuert
von gespeicherten Merkmalen und diskret
betroffenen Securities. Vor den zwölf empfangs-
bereiten Aufzügen wird die Unumkehrbarkeit
und Wirkung der Truppe klar kriegsdeutlich.

Das Steuer- und Leitungs-Personal, die Kapitäne
und Sterndeuter werden an die Katapulte gehievt.
Die Schöpfer von Fakt und Resultat treten trigger
happy vor die Lostrommeln mit den Weltformeln
und Verlustanzeigen. Die Trauer vor dem Tod.
Der Hunger vor dem Mehrwert.
Der Verlust vor dem Gewinn.
Das Selbst vor dem Rest.