Nachbarsgärten (2013)

Alles geben die Götter, die unendlichen,
ihren Lieblingen ganz,
alle Freuden, die unendlichen,
alle Schmerzen, die unendlichen, ganz. (J.W.v.Goethe)

Nachbarsgärten

Nächster nah Haut über Häute genäht
kleingeredet die Tritte in Kopf und Bauch
beisam zweisam den Herbst in Blättern halten
bar im Schall der Pfahlwurzel-Zwillinge erstarrt.

Ich locke den immerwährenden Alb zu weilen bei
Salbei und Koriander umfangen von Schlehen und Butte
die geschliffenen Mauern zu ersteigen
zu gleiten in den Rosenhag gehörnter Ränkestab.

Dämmriger Grund im Garten der Minne
Hero und Leander am zu tiefen Wasser vereint
besingen oh Schmerz die trennenden Wogen die
die Kraft zwischen sehnenden Liebenden meint.

Leite den Blick in den Garten der Lüste
Erschauern vor Siegmund Sieglinde Bruder und Schwester
sich fordern das Blut der Wälsen zu mehren
im Spiegel erkennen brennen
oh Gott der Wut
mein Ebenbild mein nächster.

Hinter Hecken die Herden schützt
wächst am Baum das Erkennen
Himmel und Hölle in Schlössern aus Wermut
Kern an Kern die neuen Früchte reifen
in Nachbars Gärten zuweilen.