Ode gesucht. Münchener Straße

Und die Straßenschluchten, Häuser, schmalbrüstig,
neigen Schatten. Himmelloses Gedränge, schie-
ben Bahnen, Wagen und Menschen, sie rudern,
schwenken schwer ihre Arme, und

schweißnass entblößte Schultern. Und Haus an Haus,
Tore tiefgründige Schluchten, und Schaufenster
mit Waren gehäuft, und stapelnde Hände
in Sorgfalt ordnen mit Liebe, als

lauschten sie Gott. Und locken Farben und Düfte,
Güter von überall her, und Ballen und Kis-
ten, energisch verschoben, und schleppen Träger
gebeugt und zerren die Fische und

Hammel und zieren die Erde mit blutigen
Mustern. Und verströmen den Atem der Welt. In
bunter Gemeinschaft lächeln Plakate und ru-
fen in Schrift und Sprachen, es grüßt

der Filmstar aus Indien afrikanische
Schönheit, und schreit schieres Gold und weisen
Zeichen ernst auf fromme Gedanken und üppig
künden Schwaden von Gewürzen

und Fleisch. Und synkopisch pochen die Trommeln
ins Ohr, und heilige Suren, vermischt und mit
indischen Ragas in Moll. Und verzückt die Blicke
und suchend nach himmlischer Antwort.

Und Straßen, ein Ort, eng bevölkert, beherrscht
von Männern, nur wenige Damen in trippeln-
dem Eifer und Frauen in Unsichtbarkeit, ein friedlicher
Schauplatz und buntes Ziehbild der Welt.