Park im Winter (2011)

Die schlanken Bäume stehn in sich geschlossen,
ein Dom von scharf umrissnen Wipfeln, hoch
gereckt in Zackenrändern, windumflossen,

die dürren Äste ängstlich klamm und doch,
so bieten sie dem Schnee, der Kälte Ruh‘
und Würde. In ihrem Rund verharret noch

ein Standbild, breit, behäbig, eine Kuh,
ein machtvoll Muttertier, sonst Schrecken, Trutz
verbreitend, schließt sie heut‘ die Augen zu,

tanzt wie im Traum, zeigt sich der Welt im Putz,
ein zartes Spitzenkleid, worein der Schnee
sie liebevoll gehüllt, zu ihrem Schutz.

Und mürrisch eingefangen in ihr Weh,
da zittern überm Boden Rosenstöcke,
wie durch ein Wunder nicht ganz fortgeweht,

so zerrt an manchen noch mit mildem Schrecke
ein knittrig dunkles Rosenblatt, die Träne,
die blutig klagt und weist die weite Strecke,

die Sonne bis zu mildern Tagen nähme.
Fauchend entwischt aus dem Gebüsch ein Tier,
graufarbig, schnuppernd, schnürend, tut als wähne

es nutzlos jede Jagd, doch lauerts stier
hinauf, wo Vögel wehn wie aufgeschlagen,
ziellos gelenkt auf jene Wipfel hier.

Nur wenige Besucher, eingeschlagen
in dicke Tuche, ohne jedes Wort
stolziern sie Automaten gleich und tragen

erstarrt die Lebensunlust mit sich fort.
Und wie die Vögel ohne Ziel gelenkt,
so ziehen sie, umkreisen diesen Ort,

als hätten sie ihr Leben längst verschenkt.