Söhne

„Irgendwann“, nervös
nestelt sie an ihren Jacken-
knöpfen, „ging er nach
Afrika. „Ich muss“, war
seine einzige Begründung.“

Sie tritt direkt auf mich
zu, bleibt vor mir stehen
und starrt mich an aus
weit geöffneten Augen, als
schaue sie in einem Traum.

„Mein Sohn, er ging fort“,
ihre Stimme kommt von
weit her. „Er fand Arbeit,
eine Freundin bald, nette
Leute, er war zufrieden.

Bereut hat er diesen Schritt
nie, Europa, die Heimat, er
vermisste es nicht. Vor
drei Jahren ist er gestorben.“
Sie zählt drei Finger ab.

„Genau heute vor drei
Jahren.“ Wie zum Beweis hebt
sie die abgezählten Finger der
rechten Hand in die Höhe. „Er
ist plötzlich zusammen-

gebrochen. Herzinfarkt. Die
Hitze. Ich habe ihn nie
wiedergesehen.“ Abrupt dreht
sie sich um, geht an ihren Tisch
und beginnt zu arbeiten.