Speeed

Roswitha Aulbach

Ewig

Ewig Liebe   ewig vino
mein dein sein
im Menschenkino

Sing ich weiter auf `ner Leiter
klopf ans Fenster
stimm´ dich heiter
bin ein Zuckerstangenreiter

komm herein zu Brot und Wein
erzähl Geschichten
frage wage   Engel im  Dunkel
lacht fürs dichten

Chrysanthemen-November
Monster im Gesicht rotes Licht
trifft auf Münder Land hoch Land runter
beweg dich nicht

Denke nicht an Bruder Krieg
Schmerzen Herz  Stadt Schlamm  Geschrei
mach dich frei
eins zwei drei
mein   dein
laß mich Moslem- Christ- Tarzan sein

vier fünf sieben
Liebe will lieben
ich bin ein Vogel
ich will fliegen

 

Ralf-Rainer Rygulla

Love Late

I love you – I know – ich lebe hier im Gewerbegebiet
alles Menschen ohne Kinder – Arbeitnehmer ohne Lieder
seit Jahren schon und heute wieder
verrenkt, beschränkt und ziemlich bieder
warte, gleich komm ich in den Flow – du sagst, I love you
ich sag, I know

was willst du machen – die Leute finden’s zum Lachen
in einer Beziehung? – es ist kompliziert
halt dich fest – es gibt diese Verrenkung – Unwissenheit
die man verliert – Vorwürfe aus der Versenkung – Verse
knapp vorm Ende variiert – ausgelatschte Sätze nur zitiert
warte, gleich komm ich in den Flow – du sagst, I love you
ich sag, I know

dann ist da noch die Sache mit der Freiheit – ich bin bereit
ganz ohne Neid – zu zweit warten auf Gelegenheit
Arbeitnehmer im Gewerbegebiet – ganz ohne Lieder
und ohne Kredit – das kanns doch nicht gewesen sein
das macht mich nieder – mein Leben war noch niemals besenrein
hör auf meinen Reim – von wegen des Unterhalts
reimte ich auf Stein und Bein – mal mehr, mal weniger allenfalls
Arbeitnehmer ohne Lieder – Menschen ohne Kinder
und die Verhältnisse morbider
du kommst auch noch in den Flow – Ich sag, I love you
du sagst, I know

www.in-einer-Beziehung.de – es ist kompliziert
wenn es die Lügen gebiert – die bittren Tropfen im Tee
noch spiegelt sich der Mond im feuchten Kaffeesatz
für mich nur Stuhl – für dich schon Platz
du siehst die Zukunft – ich soll sie leiken – versprechen
und verzählen – danke für das doppelzüngige Icon
du bist schon sehr intim in diesem Flow – ich sag, I love you
du sagst, I know

Melancholie im Gewerbegebiet – Arbeitnehmer ohne Lieder
Coolness kriecht mir in die Glieder – und mir fehlt der Appetit
Energie und Glaubenssatz – schmücke mich mit dein’m Gefieder
singe stumme Lieder zum Ersatz – wir bleiben versteckt
im Nirgendwo – 100 pro inkognito
nur du und ich und unser Flow – du singst, I love you
ich sing, I know

 

Roswitha Aulbach

Jacks Rap

Jack the Ripper rappt die Rippe frei
presst Saft und Töne aus dem Bauch
Jack liebt die Frauen Innerei

Blut   Rot   Tod
wir riechen dich
Blut   Rot   Tod
wir lieben dich
wir sind auf deiner Spur   purpur

Jack gönnt sich gern ein zweites Rippchen
aus dem jungen weißen Püppchen
da kommt Ronaldo der Vampir
und saugt die blauen Venen leer

Blut   Rot   Tod
wir riechen dich
Blut   Rot   Tod
wir lieben dich
wir sind auf deiner Spur     purpur

Langsam hebt der Vorhang sich
die Frau wird wach, packt Jack in seiner Gier
und beißt mit scharfen Zähnen zu
es ist Mary der Vampir:
„Du Frauenheld, du mieses Tier,
ich saug‘ dich aus, jetzt bist du mir!“

Blut   Blut   Rot
ich liebe deinen Tod
es schimmert blond der Mond
ich bin auf deiner Spur     poor poor

 

Ralf-Rainer Rygulla

Ach Siggi (Siggis Song)

Siggi sitzt auf einem Stuhl     und denkt was Aktuelles
Der Bulle lässt die Knarre fallen     und genehmigt sich ein Helles
Die Meise stößt sich ab vom Ast     und fliegt noch eine Runde
Ich fahr mit Blaulicht durch die Stadt     und suche meine Wunde
Siggi sieht auf einmal klar     was er denkt ist längst gedacht
und alles was zu tun wäre     ist erledigt und gemacht

Und Siggi denkt:
Ich kann nicht tun was mir gefällt
ich bin identisch mit allen andern
ach, ach wär ich doch allein auf dieser Welt

Ein Tropfen ist noch in der Flasche     der letzte Euro in der Hand
ein Witz auf deine Kosten     und du stellst mich an die Wand
Das Fahrrad fährt seinen Besitzer     im erlaubten Kreis herum
Die Striptease-Tänzerin tanzt     unabhängig frei und stumm

Und Siggi denkt:
Ich kann nicht tun was mir gefällt
ich bin identisch mit allen andern
ach, ach wär ich doch allein auf dieser Welt

Siggi wollte noch was sagen     aber das stand schon an der Wand
was Neues     von Innen heraus     aber irgendwie bekannt

Und Siggi denkt:
Ich kann nicht tun was mir gefällt
ich bin identisch mit allen andern
ach, ach wär ich doch allein auf dieser Welt

 

Andreas Werner Friederich

Fescher rescher Rap kalescher

räp rap rap da schwang die frau am reck / denn mit der beine überschlag
fiel ihre maske weg
keck war der geck lief über eck/ ihr bomben pfützt beziehungsfleck
Rap aus den Schuhen schult sich dreck / soziales schlappern sucht versteck
schuh di hu di schuh der leich // im teiche tauch nach gastlichkeit

rollator unterm schulterlift / der büste wandert kummerspeck
ich schürfe mein erweicht gesicht / genüßlich ihre zuversicht //
mann im recken alter rede / kämmst pedantisch graugewebe
kastenweißbrot schimmelscheiben / fensterputzen kühl die beiden
klare sicht schichtschmuddel wich / spielt im fenster sein gesicht
grimmasierte lippenstrenge / augenrissiges gepränge
enge im da capo hören / letztes wort kann sie beschwören
ruf dich krass genosse blass / was der blase hype schlafft

alles hängt gardine schwengt / in das neue bild verschränkt
knochenmüd gelenke knacken / ohrenzapfen backen blaffen
weib weib leid / treib gewagtem streit / gebenedeite reit oh
du die ohne kleid / magendarmgerümpel hüftig / blasfontäne lüft ig
mann oh mann nie kommste dran / auf den scheitel zielt der kam-
merherr ich bitte sehr / schweig verhalten wies gescherr
opernreife scene / töne helle stöhne
angelagerte brigäne sitzt im kahn der schwäne/ suchte was nur klagte grass
ausgelagert rollt ein fass, / krass krass volle flasch / ungemütlicher bypass
sprachverbote frauequote / blühn im schirling wie im tode
kunterbunt ihr augentrick / fiel aufs Komma / pfund im stück
halleluja sanftmotette hintennach ich gudrun rette /gutes huhn / schweigend auszuruhn
kettemieder mit patronen / braungeschossen mannmaronen
halle kalle kuba, stehs nicht auf der linken seite / immerhin rechte kasteite
zitternd meiner hände gier / verführ getier lebend gebühr

da rumpelt der kiste holunderter zaum / der deckel klappt sperrig
erschlägt meinen traum / susanne st. anne geflüstertes kaum
gebügelt gezügelt handseife verdaun / ich staune blau verdau, genau radau

räper schnäpper schlepper down / totentanzes altes lied
nicht gesponsert selbst getrübt / verübt er lügt
verblüht im glied / der hitze ungemach geblüt verfrüht
tüt ein kein sein / mein kleiner hain zu brüdern sein

speck des lebens fleck / ein herz bewegt sich weg
gleichermaßen ausgelassen / angerstrassen windgeblasen
schiffe rubikone höhlen // vor dem throne lieg ich bei, weib
ohne maske nackert frei / hey niemals wunderschön bastei
seid zufrieden, readen ideen         a.w. fried //
mitten im mai   geborn wir zwei     hey     erich         hey

 

Gudrun Selten

RAPSÖL

reime braucht man schon beim rappen
mit dem versehammer dreschen
reimer auf die wörter ein
narrenkappen überlappen
bauen poesieattrappen
keine knebelketten
für die wörterhappen
hämmern auf die hörer los
das ist richtig das ist falsch
keine edle sprache bloß

rapper rappt aus frust und rache
nimmt gesellschaft in die mache
blut ist keine nebensache

fundamentalisch saur’ sauce
misogyn kaut vollneurose
mütter auf der wolke rose
drogen schimpf und schande
underground sex mit gewalt
ist rap wirklich dergestalt?

rapper rappt aus frust und rache
….
literaten saubre braten
rümpfen nase schütteln köpfe
schauen gern in fremde töpfe
zahlen gut für sensationen
einzureißender bastionen
lyrikgruppen lauter diven
dichten mit akkusativen
schönheit sterne blumenwiesen
frischgewaschen im gewissen
scheuerpulver aufputzlappen
sich doch nie ein wappen schnappen

rapper rappt aus frust und rache
….
schlappen werden rausgeschrieen
wo bleibt der willkommensgruß
leere taschen keine schränke
falsche farbe falsche sprache
blutvoll eine rote lache

rapper rappt aus frust und rache
….

 

Gerhard Schrick

Geh zum Henker

Lieber Denker. Mach dich frei. =   Falscher Lenker. Mach dich fort,
Schaue auf dein Konterfei. =   Lenke einen andren Ort.
Riech die Nase, sieh die Falten:   =   Deine Künste, nichts als Lügen.
Spiegeln das Gesicht des Alten.   =   Lassen uns nicht mehr betrügen.
Lass die Flause, du Banause,   =   Den Menschen hier geht es nicht gut
Mach mal Pause, geh nach Hause.   =   und ihnen ist verdammte Wut
Mama wird dir Ruhe geben.   =   bis über ihren Kopf gestiegen.
Ruhe, sagt man, macht mehr Leben. =   Sie haben echt die Schnauze voll.
Wenn du keine Mama hast,   =   Echt toll hast du dein Haus gebaut,
Mach bei deinem Schatzi Rast.   =   Dass wirklich Jedem davor graut.
Weigert sich die Ursula,   =   Es saugt die Menschen heimlich auf,
Sind die Kinder auch noch da.   =   Verändert ihren Lebenslauf.
Nicht mehr da? In Kanada?   =  Entlassen werden sie als Diener.
Denk an deine Prost Ata.   =   Korrupte, kalte Großverdiener.
Damit hast du genug zu tun.   =   Damit machen wir jetzt Schluss.
Und lasse dein Gehirn mal ruhn.   =   Ganz friedlich, ohne einen Schuss.
Das hat so viel hervorgebracht   =   So kannst du ruhig nach Hause gehn.
So manches Zeugs in einer Nacht.   =   Wir wollen dich nicht wiedersehn.
Das kannst du alles jetzt vergessen.   =   Und solltest du es doch versuchen
Längst hat es dich selbst aufgefressen.   =   Die Herrschaft wieder zu erlangen:
Dein Kopf ist voll von Spinnabzessen.   =   Zur Sicherheit die Rückfahrt buchen!
Also denke an den Hintern.   = Vergeblich wär dein Unterfangen.
Damit lässt sich‘s überwintern.   =   Vom Ausland droht nun der Despot
Doch könntest du es länger schaffen,   =   Spricht von Verrat und Krieg und Not.
Wird der Ehrgeiz hin dich raffen.   =   Doch sein Projekt bleibt tot.
Susanne Thauer

Charme im Darm

Um mich herum hör ich nur Klagen über manche Altersplagen –
statt mit Freunden lachen sprechen jammert man über Gebrechen.
Plagen, die sich jetzt erst rächen für die Sünden früher Tage,
langer Feste und Gelage. Zagen zittern muss der Arme,
dass sein Körper sich erbarme und ihn lasse hier in Frieden
ruhen auf der Welt hinieden ohne allzu schweres Leiden
auf der warmen Ofenbank, doch statt dessen ist man krank. Zum
Essen nie mehr fette Soßen, Magres nur in kleinen Dosen,
statt Champagner , Mayonnaise : Obst , Gemüse, magren Käse,
dürre Suppen, grünen Tee, Verzicht auf Wein, oh jemineeh!
Schon zwackt heute gern der Magen, Bauch und Beine, die verzagen,
wachen Auges muss man sehen, wie sie nur halb im Leben stehen.
Statt in schrillen Diskotheken sich im Rhythmus zu bewegen
eilt man in die Apotheken, kauft sich dort auf Arztempfehlung
Bittersäfte und Tabletten, tätigt heimlich Muskelstählung,
keinen Sex mehr, nichts in Betten, nie mehr Spaß und Alkohol.

Und ich sitze still dabei,
all das ist mir einerlei,
kann ich doch von mir nur sagen,
nie hab ich was zu beklagen.
Nicht der Bauch und nicht der Magen
haben je Alarm geschlagen.
Meine Seele wird drob warm,
bei mir wohnt der Charme im Darm.

So fühlt man gänzlich sich verlassen, ausgeliefert Krankenkassen,
weißen Krankenhausgestalten, die ihre Schwächen nun verwalten,
überlassen den Gebrechen, oh ihr Alten, oh ihr Armen
rezeptiert und operiert, ohne Rücksicht auf Erbarmen.
Der Meniskus und das Knie und die Hüfte, die wird nie, denn
das Gehen ist beschwerlich, Schnelligkeit wird ganz gefährlich,
und der Arzt wie ein Diktator ihn bedroht mit dem Rollator,
Herzschrittmacher Sturzgefahr, schlapp macht auch die Prostata,
Netzhaut weg und Bypass her, auch der Rücken wird jetzt schwer.
Die Zellen weg, die grauen schlauen, man kann sich nicht zu Leuten trauen,
ein Hörrohr für das Telefon, man macht ne Stürzeprävention.
Herzinfarkt Herzrhythmusstörung, das ist die neue Alterswährung.
Geduldig trag den Frühalzheimer, das Leben ist dann ganz im Eimer.
Als Letztes noch Insuffizienz, und schon erscheint Inkontinenz.
Zum Glück schaut auch der Nachbar dämlich, auch seine Krankheit macht ihn grämlich.
Kein Sex und nie mehr Alkohol, dass alle sie der Teufel hol!

Und ich sitze still dabei,
all das ist mir einerlei,
kann ich doch von mir nur sagen,
nie hab ich was zu beklagen.
Nicht der Bauch und nicht der Magen
haben je Alarm geschlagen.
Meine Seele wird drob warm,
bei mir wohnt der Charme im Darm.

 

 

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