Stolpern

Aufgegeben längst, du hast auf-
gehört, sie zu zählen, viel zu viele,
eingeritzt die Namen der Opfer,
derer, die verschwunden sind, in
Stein gebettet, in Asphalt, wie
Furunkel, verschorfte Haut. Messing
Plättchen, klein, unscheinbar, wie
Altgold, angelaufen.

Blinken knochenhell, wachen sie
im Boden über die Häuser, Augen
im Pflaster, im Gehweg, fordern
dich innezuhalten. Mahner auf
Fußhöhe, klingendes Metall, als
fingen sie an zu sprechen, in
aller Stille mit mächtiger Stimme
Kunde zu tun von vergangenem
Mörderwahnsinn.

In Boden gezeichneter Strich
Code den Häusern, Schamgestein
allen Bewohnern, schlagen sie stillen
Lärm, drängen sie machtvoll dir
in Kopf und Seele, körperlose
Gestalten der Toten, schwelt ver-
gifteter Atem von Erinnerung
unter der Luft in den Straßen. Lep-
röses Denkmal der Stadt, blinkend
und Seelen verstörend, ausgeliefert
den Schatten des Gedankens davon-
geschwommener Zeit, mit Macht
vorhanden, saugen mit zähen
Zungen im Gedächtnis und mahnen
Vergangenheit.