Strandsonette (2013)

verborgene disteln schneiden vom grund
krabben siedeln vor tobenden wellen
ein esel lässt sich von hunden verbellen
geschärfte katzenkrallen kratzen den schrund

im traum der dunkelheit bohren gesträubte
felle ihr maul in bereitete suppen
das rudel rundet um stinkende gruben
an morschen tischen sitzen betäubte

familien bei flackerndem kerzenlichte
verzehren die duftenden früchte der see
gekocht ohne gräten als feines filet

vertiefen den beischmack ferner gerichte
die kinder geküsst von den räudigen hunden
wilde esel stapfen die letzten runden

die fliegen lassen sich reste gern munden
der hofhund leckt genüsslich seine alten
wunden, die motte wird sich gleich
entfalten ein stiller wirt beurteilt seine kunden

die mäuse nagen unsichtbar durchs zimmer
und schwarze plastik bildet keinen schutz
am ende bleibt kein käse, nur noch schmutz
trotz unsrer schreie ist das tier gewinner

über den zelten das firmament im milchglanz
der galaxie schlafen sie blind im flausch
ihrer decken das sanfte verglühen im rausch

der kaskaden erstrahlender schnuppen im tanz
greller blitze verbrennen in roter nacht
vergeuden sich einsam in stummer pracht

aus tiefem schlaf bin ich dann aufgewacht
in meinem kopf so manch gespaltne träume
vor meinem fenster steinverkohlte bäume
ein tagtraum hat die tür mir aufgemacht

ich seh die weiße taube auf dem dache
sie tippelt keck umher und gibt mir zeichen
die rechnung müsse ich ihr gleich begleichen
dann hielte sie auch fürderhin die Wache

auf ihre dienste wollt ich ab sofort verzichten
und zukünftig nur auf eigne rechnung reisen
auch würd ich gern die körner selbst verspeisen

die wirklichkeit nach eignem wunsch verdichten
die messer aus den träumen zu vertreiben
und lächelnd auf dem tuche liegen bleiben