Tiramisu

Susanne Thauer

I
Teller aus Glas und
voll Liebe gedeckt
der Nachtisch.
Weiche Sahnelocken
üppig gelegt in
nahrhaftem Weiß.
Heiter zu Füßen
kugeln saftige Kirschen,
sie kullern, glänzen
und lächeln verschmitzt.
Ein Häubchen aus
würziger Schokolade,
appetitliche Krone,
und ihr kräftiger Duft
gibt Ahnung von der
herben Süße des
Lebens und der Liebe.

II
Da thronst du, lächelnde
Verlockung, unter
Sahnewellen in schnee-
schaumigem Weiß, Grübchen
neckisch gegraben in
wolkige Bäckchen, anmutig
die Beine aus luftigem
Biskuit gekreuzt unter
glockiger Süße, belegt
mit glänzenden Früchten
in purpurnem Rot.
Träumevertraut im Duft
dunkler Schokoladensüße.

Gerhard Schrick

1.
ein rest des köstlichen
tiramisu auf deinem teller
meiner ist saubergeleckt

hinter deinem rücken
versteckt die augen
im spiegel sahen mir zu

sauer nach einer nacht
verderbliche ware weg
damit in die tonne das zeug

liegt dir im magen mir hat’s
geschmeckt ehrlich ich muss
dann mal bis demnächst.

2.
Es wurde alles gesagt.
Ich bin dann mal raus.
Und mach eine Pause.

Wie’s geht? Mal sehen.
Tiramisu schlecken. Das
süße Zeug vergeht langsam

auf der Zunge. Langsam.
Schlucken ohne Ver. Gut
so. Mund auf und durch.

Atmen. Bis zum nächsten
Mal. Wohin? Im KOZ halt.
Ein Neuer? Hallo! Na also.

Gudrun Selten

Zieh mich hinauf
nimm die Löffel dazu
ich Gourmet schlecke dann
schneehoch geflockt
Italien
Kakao übersiebt
Italien
Zergeht auf Zungen
Zungen vergehen
schmelzen ineinander
rote Herzen im weißen Bett
Herzen im Dessert
ziehn mich hinauf